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Bürstädter rocken im "Zorbas"
JAM Jung und Alt stehen auf der Offenen Bühne in Groß-Rohrheim
Das Nebenzimmer des "Zorbas" verwandelte sich am Dienstag im Rahmen der Offenen Bühne in verschiedene Schauplätze: einmal in einen Saloon einer Westernstadt, eine Jazzkneipe mit Animationsflair oder einfach in einen Ort, wo gute Rockmusik gespielt wird. Mit drei jungen, begeisterten Männer aus Bürstadt: Daniel und Marius Grein spielten mit ihrem Freund Maximilian Engel Ohrwürmer der Rockgrößen "The Who", "Eagles" oder auch einmal sanft von "Simon & Garfunkel". Seit Kindergartentagen kennen sich die drei Bürstädter, die zwischen 15 und 17 Jahre alt sind, bereits. "Wir spielen eigentlich gar nicht als Band zusammen", erzählte Daniel Grein - für den Auftritt in Groß-Rohrheim klappte das gemeinsame Musizieren gleich prima. Den altehrwürdigen Hits haben sie ihren eigenen Stempel aufgedrückt und die Stücke versiert und couragiert vorgetragen, was ihnen verdienten und langen Applaus einbrachte. Vor allem die Stimme von Daniel Grein lockte sogar den etablierten Musikern, die zum Musikkiste-Verein als Veranstalter der Offenen Bühne gehören, Kommentare wie "Da wird noch was draus" ab. Kein Wunder, denn der 15-Jährige bringt Timbre mit - mal rockig, mal sanft und mit Gefühl. Seine Bandbreite stellte er unter Beweis mit dem Welthit "Nothing at all" von Ronan Keating - "Mehr, mehr!" riefen die Gäste. Sie wurden nicht enttäuscht, denn bei der Session zum Ende des Dienstagabends, wie auch noch einmal gemeinsam mit dem ebenfalls sehr jungen Banjo-Virtuosen Simon Attardo aus Crumstadt, lieferte der Musikernachwuchs noch mehr Schmuse- und Rocksongs. "Ich bin hier, weil ich endlich jemanden finden wollte, der meine Musik mag", meinte Simon Attardo. Es ist eher ungewöhnlich, als 18-Jähriger Banjo-Musik zu favorisieren. In den Bürstädter Gitarren-Freaks und deren Lehrerin, Judith Gensthaler, die mit "Lousiana on Tour" unterwegs war, fand er Gleichgesinnte. Marius und Maximilian begleiteten den Premiere-Auftritt des Banjo-Spielers spontan.
Nach dem ersten Kontakt zum Banjo per Schallplatte war es klar, dass Simon genau dieses Instrument spielen wollte. "Das geht über das Internet, Lehrer habe ich noch keine gefunden", sagte der Autodidakt, der mit seinen kurzen, temperamentvollen Stücken begeisterte. Was ihm noch gefällt: "Es gibt kein trauriges Banjo-Lied", das findet er klasse, der Rhythmus geht in die Füße und macht fröhlich. Gegen so viel Jugend sang und spielte Musikkiste-Chef Eberhard Petri, mindestens dreimal so alt wie die Jungen, als Teil zweier Duos an. Einmal rockend mit Reinhard Pleil und Beatles-Evergreens. Danach mit Anke Scheven, fast ungeübt und trotzdem voller Harmonie mit Irish-Folk-Musik, der französisch-sprachigen Ballade "Le Métèque" von Georges Moustaki und launigen Zwiegesprächen, wenn etwas einmal nicht so klappte. "Ich habe hier schon so oft gespielt, ich schäme mich nicht mehr für Patzer", konstatierte Petri mit dem Applaus der Gäste. Patzer gab es nicht beim Spontanchor, der sich als Hintergrunduntermalung in die Lieder der Bühnenstars einklinkte - mit Einfühlungsvermögen sorgten die Damen für den außergewöhnlichen Klang.
von Sabine Weidner - 08.04.2010
Akustischer Abend voller Stilwechsel
04.02.2010 - GROSS-ROHRHEIM
BENEFIZKONZERT Musikkiste Groß-Rohrheim sammelt bei Offener Bühne Spenden für Erdbebenopfer auf Haiti
(wb). Anspruchsvoll und insgesamt hochkarätig mit Musikern besetzt, die Spaß und Freude am gemeinsamen Musizieren haben, wurde die Offene Bühne am Dienstag ein Erlebnis. Die Musikkiste Groß-Rohrheim hatte zum Spenden für die Erdbebenopfer in Haiti aufgerufen - 255 Euro kamen zusammen. "Das wollen wir noch erhöhen", erklärte Reinhard Helfert aus dem Vorstand des Vereins und lud für Samstag, 20. Febraur, in die kleine Bürgerhalle zu einem Benefizkonzert ein. Bei freiem Eintritt, aber für eine Spende, spielen dann Lokalmatadore wie "Kingsize Tom", "Golden Cut" und "Out oft the Blue". Die Groß-Rohrheimer Trommelgruppe Drummer sammer leitet das Benefizkonzert ein.
Zur Offenen Bühne kam der zweite Teil des Duos "Out of the Blue" (Reinhard Helfert und Peter Schad), Peter Schad nicht, denn er saß im verschneiten Odenwald fest. Helfert klinkte sich deshalb als Sänger im Laufe des späteren Abends bei anderen mit ein und sorgte für Hörvergnügen. Mit Sylvia Werner und Gitarrist Martin Wallmer traten zwei neue Musiker auf. Mit gefühlvoller und fast schon theaterreifer Performance zogen sie in ihren Bann. Die "Piraten-Jenny" schien leibhaftig ihr Unwesen im Nebenzimmer des "Zorbas" zu treiben, sang mit rollendem "R" in englischer und deutscher Sprache und klang so ganz anders als die vorhergehende Ballade "When Autumn Leaves Start to Fall". Als Sylvia Werner ihre Stimme erhob, langsam und einfühlsam den Song anstimmte, wurde es schlagartig ruhig, das Stimmengewirr verstummte - jeder lauschte und hing seinen Gedanken zum Lied nach. Der Applaus brauste auf - die angekündigte "gut gemachte, akustische Musik" kam super an. "Ich umarme euch alle mehrfach", meinte Sylvia Werner und sang "Besame Mucho" mit Gänsehautpotenzial.
Zusammen und ungeprobt, aber dennoch stimmig, erklang "Forever Young" im Wechsel zwischen Werner und Reinhard Helfert, der mit tiefem Bass die klare Stimme der Sängerin hervorragend ergänzte. Das schottische Traditional "The Bonnie Banks of Loch Lomond" schloss stimmungsvoll den Auftritt ab.
Wie ein pickender Hahn spielte Michael Jockel von der "Pickin´ Rooster Band" die Gitarre, lies den "Flaschenhals" über seine Resonatorgitarre, die vorwiegend in der Bluegrass- und Countrymusik zum Einsatz kommt, gleiten und zog die Saiten. Gemeinsam mit seinen Kollegen Konni Braun und Peter Steiner sang und spielte er "Windy and Warm", "Waitin` for a Train" und "Cannibals" von Mark Knopfler - die Gäste honorierten mit Beifall.
Den erhielt auch Riad Kheder. Der in Frankfurt lebende charismatische Libanese entlockte der "Oud", einer zwölfsaitigen Knickhals-Laute, mit einem wahren Extremsprint der Finger Töne, die man nicht vermutet hätte. Seine musikalische Reise zog unter anderem zum "Tanz in die Wüste." Mit einem Pferdegalopp per Fingerkuppen und Handteller holte er aus seiner Trommel das Letzte heraus.
Mit dem Wechsel ans Klavier veränderten sich Stil und Ausdruck: Riads ganz eigene Interpretation von Arabic-Jazz-Melodien ließen das E-Piano erklingen. Die Bühne im Februar war rundum gelungen, gesellig, kurzweilig und half bei einem guten Zweck
Von rotnasigen Rentieren bis Blues
03.12.2009 - GROSS-ROHRHEIM - Von Sabine Weidner
Offene Bühne in Groß-Rohrheim mit Gitarrenmusik und Weihnachtsliedern
Ein Paket voller Überraschungen hatte die letzte Offene Bühne dieses Jahres zu bieten: Tango instrumental, eine Stippvisite in die 30er, 40er und 50er Jahre, ein Gitarrenduo der besonderen Art und verjazzte, gesungene Weihnachtslieder.
RiedSax, ein Saxofon-Quartett aus Groß-Rohrheim und Umgebung, wartete im Nebenraum des Restaurants "Zorbas" mit Rhythmen aus dem sonnigen Süden auf und vertrieb mit Tangotakten das trübe und kühle Wetter draußen. Zu hören gab es beispielsweise den "Libertango", temperamentvoll von Astor Piazzola auf dem Akkordeon gespielt oder einst von der Sängerin Grace Jones als "I´ve seen that face before" weltbekannt interpretiert. Ebenso intonierten die vier Saxofonisten die Beziehungskiste um eine Frau, die ihren Mann wegjagt, weil dieser gerne tiefer ins Glas schaut. Zu Beginn eher melancholisch, dann aber mit überraschender Wendung, ertönte ein Beerdigungslied aus New Orleans.
Musikkiste-Chef Eberhard Petri machte in der Formation "Triengel", die zudem aus Anke Scheven und Carmen Wetzel besteht, auch als dritte Andrews Sister eine gute Figur - und bewies vor allem Stimme. Die beiden Sängerinnen, die aus dem Lampertheimer Stadtteil Rosengarten und Bürstadt stammen, waren nicht zum ersten Mal Gast der Offenen Bühne. Schon mehrfach erfreuten sie mit der Gute-Laune-Musik der 30er bis 50er Jahre.
Und danach gab Jörg Schreiner sein Debut auf der Offenen Bühne, wo der Komponist, Sänger und Kinderbuchautor zuvor noch nie zu Gast war. Durch Zufall lernte er den Groß-Rohrheimer Gitarrenbauer Andreas Cuntz kennen: "Es war bei einer Session - Jörg kam vorbei, ich rettete seine Gitarre", erzählte Cuntz am Rande der Bühnenaktion. Der 35 Jahre alte, in Schwetzingen geborene Musiker hat schon mit Claus Eisenmann (Ex-Söhne-Mannheims-Sänger) oder mit Lou beim Grand Prix 2003 zusammengearbeitet.
In der Riedkommune griff Schreiner in die Saiten, sang "zauberhaft en eschde Blues", plauderte locker dahin und verstand es, das Publikum zum Mitmachen zu animieren. "Er ist der Dritte im Bunde beim Gitarrenzauber 2010", kündigte Cuntz an.
Am Sonntag, 28. März 2010, reiht sich Schreiner damit in die Reihe der bereits weltbekannten Martin Harley und Petteri Sariola ein. Was sie verbindet? Alle drei tragen, zumindest temporär, Glatze: "Ich wähle meine Musiker mittlerweile nach der Haartracht aus", scherzte Cuntz.
Ernster und mit tiefgehenden Texten zum Zuhören war auch "Denkerskind", Till Schneider, zum wiederholten Male Gast im Ried. "Bin ein nachdenkliches Kind - bin Denkerskind": Sinnig besang Till Schneider seine eigene Vorstellung und teilte dumpf und dunkel seine Gedanken um Liebesleid, Krieg und Gefühle mit. Spaß am Spiel demonstrierten die bunt zusammengewürfelten Musiker der Session zum Bühnenende: Reinhard Pleyl am Bass, Chris Mape am Saxofon, Rolf Lautenbach am Schlagwerk, Silvia Kraft am Saxofon, Eberhard Petri an der Gitarre und erstmals Donna Gruber als Sängerin.
Mit swingender Stimme sang sie von der stillen, heiligen Nacht, vom rotnasigen Rentier und vom winterlichen Wunderland - in englischer Sprache - versteht sich.
Ein vertonter Schimmer des Weihnachtsgefühls, der den Gästen auch zu später Stunde noch sichtlich und hörbar Freude bereitete.
http://www.wormser-zeitung.de/region/biblis/print_7977795.htm
Nur Musik, kein Theater
Offene Bühne: Nachwuchsschauspieler treten später auf – Lieder zur Gitarre – Im Herbst „Kunst nach Bedarf“
Leider gab es am Dienstag, 01.09.2009, auf der Offenen Bühne im Groß-Rohrheimer Restaurant Zorbas kein Theater aus dem Jugendhaus. Eberhard Petri, Vorsitzender des Vereins Musikkiste, meinte, die jungen Leute bräuchten noch ein wenig mehr Zeit. Sie würden bestimmt später im Jahr auftreten. Also sorgte Wolfgang Keinz für den sanften Einstieg mit seinem Gitarrenspiel.
Neu arrangierte Stücke erklangen, und die zu Beginn noch nervöse Hand des Gitarristen bekam zusehends Ruhe und begeisterte mit harmonischem Spiel.
Nahtlos übernahm Heike Ofenloch Hocker, Mikrofon und Gitarre und überraschte mit ruhigen Klängen. Ihrem Fanclub, der mit hochgehaltenen rosaroten Schildern anfeuerte, gefiel es ebenso wie den 60 Zuhörern. „Für das französische Stück habe ich lange geübt“, gestand Heike Ofenloch, doch „Jardin en hiver“ floss zartschmelzend ins Gehör – der Applaus war entsprechend.
„Rosebud“ waren oft Akteure auf der offenen Bühne: Mal kamen sie als Duo, mal als Trio, am Dienstag sogar zu fünft. Das Duo mit Joost Teuer und Bernd Berres spielt seit acht Jahren zusammen. Mit Gitarren, Keyboard, Djembe und dem Cajon, einem aus einer Transportkiste für Fische oder Orangen entstandenen Schlaginstrument aus Peru und Spanien und ihren ausdrucksstarken Stimmen unterhielten sie aufs Angenehmste. Eigenkompositionen mit Folkgefühl wie „Mathilda's Waltz“ oder „Fear“ von Pia Steinweg und einem ausgewählten Songrepertoire animierten sie zum aufmerksamen Zuhören. Zum Ende des Abends zogen die Sonne und das Temperament der Dominikanischen Republik musikalisch ins griechische Restaurant an der Kornstraße: Marion Möhle und Thomas Memleb erzählten temperament- und gefühlvolle Geschichten, die Thomas Memleb im Urlauben erlebte und die ihn zu den Liedern inspirierten.
So gab es vertont die nicht vorhandene Zeit „Zwischen den Jahren“ zu erleben oder wie es sich anhört, wenn man erst weggehen muss, um wiederkommen zu können. „Das ist wie in Rohrheim, du musst erst nach Darmstadt zurück, dann kannst du wiederkommen“, flachste Marion Möhle.
Die vertonten Seelenzustände im Rumba-Flamenco-Takt beflügelten zu später Stunde noch zu großem Applaus. Zwischendurch begann der Vorverkauf für ein neues Angebot der Musikkiste: „Kunst auf Bedarf.“ Das ist ein neues Konzept, das Musikliebhaber in den kleinen Kreis eines Wohnzimmers oder ähnlich privaten Ort einlädt. „Das kostet dann auch etwas“, erklärte Musikkistechef Petri. 15 Euro kosten die auf 30 Personen limitierten Eintrittskarten, deren Erwerb katalogisiert wird. „Wir notieren auch die Telefonnummer des Käufers“, werden nicht alle Karten verkauft, besteht offenbar kein Bedarf, und der Event fällt flach. Per Telefon wird rechtzeitig abgesagt, das Eintrittsgeld zurückerstattet. Am 15. November (Sonntag) gibt es die „Kunst nach Bedarf“ zum ersten Mal bei Bea Wiedert an der Wormser Straße 3. Dann spielt Mani Neumeier („Guru Guru“). Der Schlagzeuger und Percussionist leitet vorher von 14 bis 18 Uhr einen Percussion-Workshop. Das anschließende Konzert ist für die Teilnehmer des Workshops kostenfrei.
Im gleichen Stil soll es mit dem Kunstangebot weitergehen. Petri kündigte für Dezember Daniel Helfrich und für 2010 Alex Auer als Gäste an. Kontakt Eintrittskarten bei Eberhard Petri, Telefon 06245 905536.
sbi
4.9.2009
"Zwiwwlkuche unn Äbbelwoi"
OFFENE BÜHNE Gute-Laune-Musik
Überraschend endete die letzte Offene Bühne in Groß-Rohrheim vor der einmonatigen Sommerpause im August: Aus Lampertheim und dem Frankfurter Raum kamen die Mitglieder von "Meadow Jam" und begeisterten die Zuhörer mit ihrem "Girly-Pop" mit Bossanova-Würze; überraschend schaute Olli Bopp aus Wolfskehlen vorbei und ebenso unerwartet trumpften die "Pidgeons" aus dem Jugendhaus stimm- und klanglich auf. Zwei Sessions zwischen den Auftritten und am Ende des Abends machten die Bühne wieder einmal zum kompletten Hörerlebnis.
Zur Einstimmung mal etwas Junges - so könnte man den Auftakt, den die Jugendlichen der Band "Pidgeons" hinlegten, bezeichnen. Jung waren die Akteure - ab zwölf Jahre alt; jung waren die Stimmen, die zu hören waren; und nicht mehr ganz so frisch - aber jedem noch im Ohr - die Songs, die sie spielten und sangen. Mit dabei war außerdem Eberhard Petri, Kopf und Taktgeber mit Hintergrundstimme. Die Technik und Musik der Nachwuchskünstler bot für alle Fans, Eltern, Großeltern und Gäste Nährboden für das Bewusstsein. Eines wurde auf alle Fälle klar: Es steht gut um den Musikernachwuchs in Groß-Rohrheim. Total cool, als wäre es nichts Besonderes, spielte Stefanie Prunzel von den "Pidgeons" in der Zwischensession weiter das Schlagzeug. Zusammen mit einigen Musikern von "Meadow Jam" und Petri entstanden so Interpretationen von Welthits mit Soli aller Instrumente.
"Isch bin en hessische Singer unn Songschreiwer", stellte sich Oliver Bopp vor. Ein Meister der Lieder ohne Aussage, aber einfach urig, spaßig und zum Hinhören. Denn nicht jede Pointe war bei den ersten Klängen schon zu erkennen. "Fraa Pott" machte den Flughafen flott, die "Babbscher uffm Audo" von Startbahnwest-Gegner bis Radio-FFH-Werbung und das "Hesse-Lied" über die liebenswerten Hessen, die "Zwiwwlkuche unn Äbbelwoi" zum Leben brauchen, sorgten für strapazierte Lachmuskulatur bei den Besuchern.
Chimes (Klanginstrument), Cajon, Gitarre, sechssaitiger Bass und eine angenehme Stimme verschmolzen zur Einheit mit Gute-Laune-Musik im "Girly-Pop-Stil". Mit fast erwachsener Melancholie in selbstkomponierten Stücken und eigenen Texten lieferten "Meadow Jam" die Überraschung des Abends in Groß-Rohrheim ab. "Wir haben uns erst fünfmal in dieser Besetzung getroffen und die Lieder zusammengehauen", erzählte Frank Willi Schmidt. Texte und Musik schreibe man auf der Wiese - zumindest manchmal. Daher stammt nämlich auch der Bandname, der frei übersetzt "Wiesenmarmelade" bedeutet. Süß, stimmig und authentisch wechselte ein Mix aus Swing, Jazz und Folk, der zum Mitmachen anreizte. Charlie Waldschmitt sang hinreißend, Stefan Varga verzückte mit Gitarrenspiel, Schmidt zupfte hingebungsvoll seine Bässe und Giovanni Ricciardi hielt den Takt an der Schlagkiste Cajon. Begeisterter Applaus lockte eine Zugabe aus dem noch kleinen Repertoire der Band heraus. Publikum und Musiker freuten sich gegenseitig auf ein Wiedersehen und -hören. Vielleicht gibt es im kommenden Jahr ausschließlich "Wiesenmarmelade" zum sonntäglichen Ohrenschmaus.
Den gibt es 2009 übrigens wieder am Sonntag, 20. September, mit "Absintho Orkestra" im Rathaushof und der Rathausscheune. Am Dienstag, 1. September, 20 Uhr, geht es mit der monatlichen Offenen Bühne im Restaurant "Zorbas" in der Rheinstraße 24 weiter
Gedichte und Geschichten
LESUNG Offene Bühne in Groß-Rohrheim einmal anders
Öfter mal was anderes: am Dienstag, 2. Juni gab es die erste Autorenlesung bei der Offenen Bühne. Die monatliche Veranstaltung des Musikkistevereins ist immer für Überraschungen gut.
So kam Klaus Stumpf, gebürtiger Groß-Rohrheimer, derzeit in Lorsch lebend, und las lebhaft im Wechsel mit seinem Freund André Eisenhart aus seinem Erstlingswerk "Zweistromfluss". Ein wenig aufgeregt berichtete er, wie sehr es ihn bewegt, dass er zu seiner ersten Lesung und als erster Autor überhaupt ins "Zorbas" gekommen war. "Nach einem Burnout öffnete sich eine Tür in meinem Kopf - ich wusste, was ich schreiben wollte", sagte der Autor. 60 Seiten hatte er vor 2005 bereits verfasst, die waren die Basis für einen Neuanfang mit neuer Ausrichtung. 2007 schrieb er seine zweite Geschichte in sechs Wochen.
Im August 2008 war es geschafft und das Buch wurde veröffentlicht. Große Resonanz erhält Stumpf in Internet-Chats und -foren. Erfahrungen aus seinem eigenen Leben die extremen Tiefen aber auch moderate und steile Höhenflüge verarbeitet er in Gedichten, welche die Texte seines Buches unterbrechen und Impulse aus den Geschichten aufgreifen. Ziel aller Erzählungen sei es, die Liebe und das Ich zu finden, eine gefühlvolle Art die Wege der Suche verstehen zu helfen. Umrahmt hatte Tom "Bola" Martin, Lehrer aus Worms, die Lesung.
Er singt und musiziert aus Leidenschaft - schon als Kind habe er gern Musik gehört. Progressiver Rock, Pop, aber auch Folk und Soul mit einem Hauch Country haben es ihm angetan.
Die ausgewählten Stücke gefielen dem applaudierenden Publikum. "Meine Mama hat mich zu Udo Jürgens gebracht", sagte er, auch "Les Humphries" oder die Beatles auf Deutsch haben es ihm angetan. Mit angenehmer Stimme sang er "Mr. Bojangles", "Can´t find my way home" und "Riders on the Storm" von den Doors. Sieben Musiker, sieben Instrumente, sieben Farben: "Free Erica" webte einen Klangteppich. Von Grau, Blau, Gold, Schwarz und Mint bis zum kraftvollen Rot hatte jeder Instrumentalist experimentell Klänge, Tonfolgen und kleine Melodien geliefert, die zu einem Ganzen verschmolzen. Einen musikalischen Wetterbericht lieferten sie in Eigenkompositionen obendrein: "Hell und freundlich" im Stück heiter, ein wenig tiefer intoniert bei heiter bis wolkig". Den Dialog zwischen Frau und Mann fand man in den Tönen des Altsaxofons von Carlo Wanger und den tiefen, behäbigen des Basses von Ina Burger wieder.
Mit dem "Zahlenstrahl-Blues" schloss "Free Erica" ihr Programm ab. Danach gab es für Musiker die Möglichkeit sich in Form einer Session anzuschließen.
Jazz, Soul und Bluegrass
Breites musikalisches Spektrum bei der Offenen Bühne in Groß-Rohrheim
Von Sabine Weidner
"He, ho, spann den Wagen an", tönte es bei der Offenen Bühne zu später Stunde aus dem Nebenraum der Gaststätte "Zorbas". Eigentümliche Töne, die man aus dem Bühnenprogramm nicht gewohnt ist. Sie hatten aber einen guten Grund: Am 350. Maimarkt beteiligt sich der Verein "Musikkiste" mit einer Fußgruppe am historischen Umzug.
"Wir dachten, wir üben mal mit euch", sagte Eberhard Petri, Vorsitzender des Musikkistevereins. Auf den Tischen gab es Textblätter und die Musiker des Abends variierten in einer Session die Akkorde dazu. Am Cajon und mit mehreren Gitarren rappten sie den traditionellen englischen Kanon, tauchten experimentell dazu in Reggae-Klänge ab oder tönten in der bekannten Melodie. Einige Mittelalterweisen schlossen sich an. So recht zum Singen motiviert war das Restpublikum des Bühnenabends jedoch nicht mehr. "Hauptsache, am Maimarktsonntag unterstützen uns möglichst viele", sagte Petri.
Mississippi-Delta im Ried
Wer ein tragbares Instrument spielt, ein historisches Kostüm hat oder einfach gerne singt, kann sich der Truppe anschließen. Eingeleitet hatte das Programm die Gruppe "Spoonful" aus Eich, die mit eingängigen Melodien zum Mitsingen anregten.
"It´s all over now, baby blue", trällerten Hans-Peter Drach und Rainer Köhler los und versetzten das Ried ins Mississippi-Delta. Ihre Lieder erzählten von reichen Baumwollpflanzerkindern und Planwagenfahrten.
Der Jazz-Standard-Song "Mister Bojangles" oder "What´s going on" von Marvin Gaye erklangen und die beiden Nachbarn "vunn iwwerm Roi" ernteten großen Applaus. Sie waren sicher nicht zum letzten Mal in Rohrheim zu Gast: "Klasse, dass es sowas wie die `Offene Bühne` gibt", verabschiedeten sie sich.
Schon einmal hatte Jochen Breuer auf dem Banjo eine Kostprobe seines Könnens geliefert - dieses Mal hatte er Zeit, sein Repertoire, gespickt mit Wissen über sein Instrument und dessen Stimmbandbreite, vorzustellen.
Lieder mit Geschichte
"Alle Lieder haben eine Geschichte, die in die Melodie umgesetzt wurde", erklärte er, stimmte die Saiten und schlug sie an. 20 verschiedene Saitenstimmungen gebe es, man könne, als Besonderheit auf dem Banjo, zur Tonlagenveränderung auch einzelne Saiten unter Nägeln am Instrumentenhals einhaken.
"Cold frosty Morning" aus Irland, Ragtime oder Bluegrass mit dem "Blackberry Blossom" spielte er vor. Ihre Premiere auf der Bühne legten Robert Rosenzweig und Kai Menger alias "Kai und Rob" hin. Sie sind musikalisch unterschiedlich, aber jetzt gemeinsam auf Cajon und Gitarren in den 70er und 80er Jahren unterwegs. Eine Reise zurück zum legendären Woodstock-Festival oder zu "Cameo" mit "Word up" zogen in den Bann.
Als ehemaliger Straßenmusiker hatte Robert Rosenzweig unter anderem "Ain`t no sunshine" von Bill Withers oder den Santa Esmeralda-Hit des Jahres 1965 "Don´t let me be missunderstood" angestimmt, am Cajon und später auf der Gitarre klinkte sich Kai Menger ein und ein harmonisches Ensemble entstand.
09.04.2009
"Headbanging" bis der Arzt kommt und rockige Töne bot das lautstarke Ende der gut dreistündigen Offenen Bühne mit der Coverband "Yellow Snow" am Dienstag.
Dabei fing alles so virtuos an: Philip Lindenbach (10) bewies große Fingerfertigkeit und Feingefühl bei den klassischen Akkorden, die er seiner Gitarre entlockte. Sogar eingefleischte Profis wie zahlreiche Musikkiste-Angehörige und Gäste der Bühnenveranstaltung lobten den jungen Instrumentalisten, der seit dem Alter von sechseinhalb Jahren Gitarre spielen lernt. Im vergangenen Jahr hatte Philip sogar den Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" in Mannheim gewonnen - ein wahres Hörerlebnis und guter Start in ein abwechslungsreiches Programm.
Erst seit 7. November 2008 üben sich Axel Ochs, Sieglinde Schuster und Gerhard Ritzert an ihren Gitarren. Alterstechnisch einige Jahrzehnte entfernt von Philip Lindenbach präsentierten sie erste Schritte auf dem Neuland "Gitarrenmusik". Untertsützt von Lehrer Eberhard Petri erklang "Amacing Grace" eindrucksvoll mit Drehleierklang. "Die ist eine Nachbau aus dem 15. Jahrhundert", erklärte Axel Ochs, der sein Instrument vorwiegend auf Mittelaltermärkten benutzt. Bei "Marmor, Stein und Eisen bricht" und "Country Roads" stieg das Publikum gesanglich mit ein.
Gorgo Schäfer (Gesang), Detlef Krah an der Gitarre und Michael Distelmann am Bass interpretierten Jazz als "2gether3" perfekt. Höhen und Tiefen von Liebe und Leid vermochte Schäfer ebenso zu vermitteln wie locker swingende Fröhlichkeit. Einzelne Soli wurden mit Sequenzapplaus honoriert, was den beiden höchst konzentriert und entspannt wirkenden Herren ein leichtes Zucken um die Mundwinkel entlockte. Die gut 70 Bühnengäste hörten von "Georgia" bis "Loverman" von Billy Holiday alles, was das Modern-Jazz-Herz liebt. Die wilden 70er Jahre mit allen bekannten Rocksongs von Fleetwood Mac, Supertramp und Foreigner erlebten eine Wiedergeburt mit der Gruppe "Yellow Snow" aus dem Raum Mannheim/Viernheim.
Viel Spaß hatte das Publikum mit Hits, die allesamt im Chor mitgeträllert, gerockt und gebrüllt wurden. "Das ist Rock-am-Grill-Qualität", lobten viele Zuhörer, denn im engen Nebenraum des "Zorbas" konnten sich die fünf Jungs nicht so recht austoben - vielleicht klappt es und man sieht sich im nächsten Jahr in Rohrheim an der Grillhütte wieder und lässt es dort richtig fetzen. Bis dahin bleibt der Auftritt auf der Offenen Bühne im Ohr. "Da geht das Herz auf", meinte ein Bühnengast, als die ersten Akkorde des Santana-Klassikers "Black Magic Woman" erklangen.
Faszinierend war auch die reduzierte Mimik des Schlagzeugers "Holdy" Wahlig aus Lorsch: Ein rhythmisches Schulterzucken zwischen Schlagpassagen und das zufriedene breite Grinsen im Gesicht strahlten die eigene Zufriedenheit aus. Keine Offene Bühne ohne Session - Heike Ofenloch, die jazzige Röhre aus Bürstadt, mit Stimme und Gitarre, Eberhard Petri zupfend mit der Geige und Chris Mape mit dem Saxofon lehnten locker am Tisch und spielten drauflos.
Sabine Weidner
Quelle http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=3705744
Offene Bühne bietet viel Abwechslung
Mit Entspannte Banjo-Musik, irischen Folkliedern und groovige Rhythmen mit Sonnenscheingefühl - die Offene Bühne am Dienstag lud zu einer musikalischen Reise ein.
"Vor drei Wochen noch hatten wir keine Anmeldung für heute Abend" - Musikkiste-Chef Eberhard Petri war begeistert, dass doch noch fünf grundverschiedene Musikstile präsentiert wurden. "Eigentlich sind wir nur hier, weil es wenig Auftritte geben sollte", sagte Reinhard Helfert, eine Hälfte des Rohrheimer Duos "Out of the Blue". Die Gäste der
Bühne freute es, denn das Duo Peter Schad und Helfert hatte sich in den vergangenen Jahren rar gemacht. Mit Gitarren- und Violinspiel, mal eingehend dahinplätschernd, mal aufrüttelnd,, begeisterten sie mit ihrem markanten Gesang und musikalischer Harmonie. "One more cup of Coffee", die schottische Mär vom Mann, der in regnerischer Nacht bei "Meggie" fensterln will, und der "Circle of Friends" sorgten für Applaussalven. Bob-Dylan-Lieder und Neil-Young-Klassiker trafen den Geschmack der Zuhörer.
Jochen Breuer zupfte zum Auftakt sein Banjo. Das afroamerikanische Saiteninstrument wird in der irischen Folkmusik und im Jazz eingesetzt. Mit Daumen-, Zeige- und Mittelfinger gezupft verleihen die Banjoklänge dem Bluegrass seine Unverwechselbarkeit. Breuer spielte und faszinierte mit diesem Stil.
Oliver Bopp und Volker Storm bilden das Hessen-Duo "Heit net mer". Sie sangen, teilweise leicht bissig, über die Höhen und Tiefen des Liebeskarussells. "Blues und so" - begann Christian Ruge aus Berlin, jetzt südlich von Ingelheim lebend, seinen witzigen und unterhaltsamen Auftritt. Gespickt mit komödiantischen Einlagen und begleitet von ausgezeichneter Gitarrenmusik, sorgte er für Kurzweil. Seine freien Interpretationen einiger Stücke ließen den Abend zur fröhlichen Raterunde für Musikfans werden. Dabei spielte er beispielsweise Klassiker wie "Albatros" von Fleetwood Mac. Begeisterter Applaus und die an diesem Abend bei allen Künstlern obligatorische Zugabe ertönten.
Ganz anders unterhielten "Stir it up": entspannte Reggae-Klänge, eine Prise Folk und etwas Rock - eine perfekte Kreation. Grün, gelb und rot sind die Farben Jamaikas und der Hintergrund des Gruppenlabels - die drei Musiker spielen seit 2007 zusammen. Jamaika und Bob Marley mit seinem unverwechselbaren Reggaesound hat es ihnen angetan. Miles Wroblewski (Gesang und Gitarre), Tommy Woller (Gesang und Schlagzeug) und Günter Sonnenschein (Bass) sind "Stir it up". Klar, dass bei diesem Bandnamen der gleichnamige Klassiker von Bob Marley sowie "Get up, stand up" im Repertoire nicht fehlten. Lang nach Mitternacht ging eine überraschende Offene Bühne zu Ende.
Mittlerweile ist der Rohrheimer Event in Musikerkreisen so bekannt, dass sogar eine Gruppe auf den nächsten Termin am Dienstag, 7. April, verwiesen werden musste.
Dann spielen unter anderem "Yellow Snow" und das Detlef-Krah-Quartett.
Die "Bäschdedder Joy Fleming"
Überraschungen bei der Offenen Bühne mit Jazz-Sextett, Hip-Hop und einem Trio
Das Gerd-Schumacher-Sextett mit Bernd Schuff, Gerd Schumacher, Harald Teichert, Ina Burger und Peter Paasche (v.l.) präsentierte ein abwechslungsreiches Programm.
Eine Tänzerin, ein Jazz-Sextett und ein Trio, das mit Stimmen und kreativer Instrumentenauswahl begeisterte, füllten am Dienstag das Programm der Offenen Bühne.
"Dass man so etwas Tolles in so einem kleinen Ort erleben kann", hörte man vom begeisterten Publikum. Die Session mit zehn Musikern und Sängern dauerte bis spät nach Mitternacht. "Everybody is free" tönte aus der Stereoanlage, und mit Sonnenbrille, Schirmmütze, Baggyhosen und Hemd bekleidet stürmte Wiebke Wollny auf die Bühne. Mit ganz eigener Choreografie mischte sie Streetdance und Hip-Hop. Die 15 Jahre alte Groß-Rohrheimerin heizte den Gästen gut ein, sie gingen locker eingestimmt in den langen Abend.
Danach war Jazztime mit dem Gerd-Schumacher-Sextett angesagt. Tiefe Töne erklangen aus dem Kontrabass von Ina Burger, zaghaft stimmte am Schlagzeug Peter Paasche ein, vom Takt ging es zur Melodie am Keyboard mit Harald Teichert, und dann kamen jazztypisch Trompete (Gerd Schumacher), Altsaxofon (Bernd Schuff) und Tenorsaxofon (Denes Sexty) hinzu - das Hörerlebnis war komplett.
Ganz ins Zeichen der Jazz-Größe Miles Davis hatten die Musiker den Abend gestellt. Mit Improvisationen und experimentellem Jazz spielten sie dynamische Musik. "Tune up", "Some day my prince will come" und "Seven steps to heaven" waren nur einige der bekannten Davis-Kompositionen, die zum Teil in neuen Arrangements der Gernsheimer Bassistin Ina Burger gespielt wurden. Das Publikum mochte den Stil und ließ das Sextett nicht ohne Zugaben von der Bühne.
Das darauf folgende Trio sang zunächst "Songs from the wood". Rein akustisch spielte es Songs aus allen Zeiten und Sparten. Dabei bestach nicht nur die klare Stimme der 17-jährigen Larissa Tolnai. Auch die Harmonie mit ihrer Mutter Martina Tolnai ließ aufhorchen. Robert Zimmermann unterstützte die beiden an wechselnden Gitarren und Gesang. "Viele Leute haben uns gesagt, dass wir das nicht ohne Verstärker und viel Technik spielen können", erklärte Zimmermann - er überzeugte am Dienstag vom Gegenteil. "Somewhere over the Rainbow" und "Das Beste" von Silbermond luden zum Mitsingen ein. Als Solistin wechselte Larissa zum Wasserglas mit Strohhalm. Blubbernde Geräusche und rauschende See per Oceandrum begleiteten den durch den Trickfilm "Findet Nemo" bekannt gewordenen Titel "Beyond the sea" von Bobby Darin, damals gesungen von Robbie Williams.
"Einer geht noch", und es wurden zwei daraus: Mit "Locomotive breath" von Jethro Tull und "I got live" aus dem Musical Hair beendeten die drei Beerfelder ihren umjubelten Auftritt.
Bei der folgenden Session kamen auch Rohrheimer Musikerurgesteine wie Eberhard Petri und Thomas Matthes auf die Bühne, die Jazz-Stimme der "Bäschdedder Joy Fleming" Heike Ofenloch sorgte dafür, dass einem stimmungsvollen Ausklang des langen Abends nichts im Wege stand.
Quelle: Lampertheimer Zeitung (http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=3617682)
Das Publikum singt begeistert mit
Offene Bühne: Die „Pickin‘ Rooster Band“, „Saxtett“ und „Jam Slam“ verbreiten vier Stunden lang beste Stimmung
Auch im neuen Jahr bleibt die Offene Bühne ihrem Mischkonzept treu: Am Dreikönigstag gab es gehörig was auf die Ohren, mischte sich festlich anmutende Blasmusik mit lockerem Gitarrengezupfe. Im übervoll besetzten Nebenraum der Gaststätte Zorbas eröffnete die „Pickin‘ Rooster Band“ wie schon 2008 im Januar den ersten von elf Dienstagabenden 2009 für Musik- und Kleinkunstfreunde aller Art.
Michael Jockel, Konni Braun und Peter Steiner präsentierten Bluessongs, die nicht etwa als frauenfeindlich, sondern männerfreundlich kategorisiert sind. So beim „Early morning Blues“, bei dem die Trennung des Paares nur per „Knarre“ klappt. Als wortgetreue „Zugnummer“ durfte „Waiting for an Train“, im Repertoire nicht fehlen. Viele Gemeinsamkeiten teilen die Musikfreunde: Zum Beispiel lieben alle Katzen. Die Teppichlöwen schienen zum „Tomcat-Blues“ durchs Zorbas zu streifen. Von Michael Jockel gespielt, erklang die „Dobro“. Auf seinen Oberschenkeln liegend gab sie dank des gezielten Slider-Einsatzes (Glas- oder Messingrohr, abgetrennter Flaschenhals) an hawaiianische Musik gemahnende Töne von sich. Ein wenig Bluegrass-Sound verführte zum Klatschen, und ein temperamentvolles instrumentales schottisch-irisches Tanzstück riss die Zuhörer mit.
Die Gäste mochten den Sound und waren prächtig eingestimmt auf die Formation: „Saxtett“. Fast schon „urroremerisch“ sind die vier Saxofonspieler zu nennen, wobei nur noch der Baritonsaxofonist Georg Henzel in der beschaulichen Riedkommune lebt. Silvia (Altsaxofon) und Bernhard Kraft (Tenorsaxofon) sind nach Stockstadt gezogen. Chris Marpe (Sopran- und Altsaxofon) ist Engländerin und hat seit diesem Jahr auch die deutsche Staatsbürgerschaft.
Mit ihren glänzenden Instrumenten produzierten sie klangvolle festliche Klassiktöne, Dudelsackmusik und verzauberten mit Charlestonmelodien, die die Füße zum Zucken brachten. Chachacha, Dixie und Oldtime Jazz aus der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erklangen und färbten den Offene-Bühne-Stil einmal mehr in eine ganz andere als die gewohnte Jazz, Rock und Pop-Richtung.
Als Zugabe aus der Schublade der geblasenen Spaßmusik mit Kneipen- und Festklang hörten begeistert klatschende Menschen „Ain’t she sweet“ aus dem Jahr 1927.
Frankenthal, West Virginia und Schifferstadt sind die Heimatorte der Musiker von Jam Slam: „Als wir das letzte Mal hier waren, war es super heiß.“ Recht doppeldeutig, aber korrekt begrüßte Thomas „Speedy“ Klesius die Rohrheimer Gäste. Im Juni, bei brütender Hitze, hatten sie zusätzlich eingeheizt, denn ihre Musik zwischen Bluesrock, Poprock, Pop und Classics fetzt die Ohren. „Papa“ Stefan Teutsch ist Kopf und Geburtshelfer der Gruppe, dazu liefert er eine markante Singstimme und versiertes Gitarrenspiel.
In völliger Ruhe residiert André Green zwischen seinen Becken und Trommeln, er bringt nicht nur mit seinen schießenden Schlagsalven Farbe ins Spiel. Michael „Fish“ Fischer singt und spielt Gitarre, bei einigen Liedern sang er die Leadstimme. Hüpfen, springen und Laune machte die selbstpropagierte „kuhle Mucke“ auch in Groß-Rohrheim – die vier Jungs könnten einmal beim jährlichen Rock am Grill auftreten. Bei der Offenen Bühne zeigten sie schon zweimal ihre Flexibilität, gingen mit lockeren Ansagen auf Publikumswünsche ein und kreierten einen Cocktail aus bekannten Mitsingsongs und eigenen Kompositionen.
Glänzende Stimmung und heiser gesungene Kehlen waren das Resultat nach mehr als vier Stunden Musik.
sbi
8.1.2009
Der Nachwuchs setzt sich in Szene
Johanna Licht und ihre Band „KofferRadio“ deuten ihr großes Talent an
Ein Männerduo im Kleinformat, ein weiteres äußerlich schon ganz erwachsen und eine junge Band zeigten auf der Offenen Bühne, dass sich Groß-Rohrheim um soliden Musikernachwuchs keine Sorgen machen muss.
Seit einem Jahr spielen der elf Jahre alte Marvin Bünning und sein ein Jahr jüngerer Freund Leon Martin zusammen Gitarre. Dass sie zudem tolle Gesangstalente sind, stellten sie mit Ohrwürmern von den Beatles, Reinhard Mey und Weihnachtsliedern unter Beweis.
Passend zur letzten Offenen Bühne in diesem Jahr präsentierten sie gemeinsam mit ihrem Gitarrenlehrer Tom Matthes „Ihr Kinderlein kommet“, „Lasst uns froh und munter sein“ und als viel beklatschte Zugabe „Stille Nacht, heilige Nacht“.
Johanna Licht ist 13 Jahre alt, komponiert ihre Songs in deutscher und englischer Sprache selbst. Seit einigen Monaten hat sich um sie herum eine Band formiert, die unter dem Namen „KofferRadio“ vor vier Wochen in Gernsheim bei einem Talentenachmittag für Begeisterung sorgte. Bei „KofferRadio“ ist Drummer Marvin Daniel „obercool“, Laura Schollmeier flink am Keyboard, Lina Tobler stark auf der Gitarre, Joachim Wollny einfach klasse am Bass und Johanna Licht begabte Komponistin und Sängerin. Jeder, der sie kennt, weiß ihre lockere Art zu schätzen: Tom Kunzmann und Tom Matthes gaben sich als Tom und Toms Bluestrain ein Stelldichein. Die an den Nerven ziehenden Töne der Bluesharp und die harmonierenden Stimmen der beiden versierten Bluesmusiker luden zum Träumen ein.
„Eigentlich ist der Blues doch immer traurig“, fragte sich Tom Kunzmann: Am Dienstag hatten die beiden durchweg positiv anmutende Bluessongs ausgewählt. Ganz schnell mischte sich darunter auch „Spider and the Fly“ von den Rolling Stones, extra für einen Fan im Publikum, der schon von Anfang an zu den treuen Bühne-Gästen gehört. Zu später Stunde gab es eine Jazz-Session, zu der sich zwei Musikerinnen gesellten. Am Saxofon Chris Mape und eine geheimnisvolle Querflötenspielerin mischten das Duo aus Jazzsängerin Heike Ofenloch und „Jazz-Mogul“ Eberhard Petri zum Quartett auf.
sbi
6.12.2008
Ein Meister an der Gitarre
Der Musiker Petteri Sariola begeistert das Groß-Rohrheimer Publikum
"Wow" - atemlos gehauchte Anerkennung von fasziniert lauschenden Gästen der offenen Bühne am Dienstag honorierte die Gitarrenstücke, die Petteri Sariola spielte. Atemlos war auch die Stille, die herrschte, als der 24 Jahre alte Finne zu später Stunde zur Meistergitarre aus der Schöpferhand des Groß-Rohrheimer Gitarrenbauers Andreas Cuntz griff und darauf zu spielen begann.
Atemlos war Sariola nach mehr als einer Stunde Performance, bei der sein Instrument schier mit ihm verwachsen zu sein schien. Klar, dass der Virtuose in Groß-Rohrheim für ein wenig Musik vorbeischaute, denn die Riedgemeinde liegt ja zwischen Tokio (Japan), Osnabrück (Deutschland) und Linz (Österreich) auf dem Weg. Er tat es für "seinen" Gitarrenbauer Cuntz und blieb dabei frei von Allüren. Er mag sein Rohrheimer Publikum, das er schon beim Gitarrenzauber im März 2008 in seinen Bann gezogen hatte.
"Weißt Du, am Wochenende war ich in Japan, gestern noch in Osnabrück, morgen bin ich in Österreich, Donnerstag wieder in Finnland", erzählte Sariola im Gespräch mit unserer Zeitung. Das klingt nach wenig Privatleben, aber, erklärte er, er liebe Computerspiele, Frisbeespielen und die ein bis drei Gigs pro Woche, wenn er zu Hause in Finnland ist. International unterwegs sei er vier- bis fünfmal im Jahr: "Die Locations sind immer anders, aber auch immer irgendwie toll."
In Groß-Rohrheim ist er fast zu Hause, dank Andreas Cuntz, der ihn unter seine Fittiche nimmt und bei dem er dann auch wohnt. "Im nächsten Frühjahr kommt meine neue CD", flocht Sariola geschickt ins Gespräch mit ein und ging locker auf die Bühne. Die Gäste sahen ungläubig auf den jungen Mann, der seine Gitarre nahm, darauf spielte und außergewöhnliche Stücke intonierte: "Mach die Augen zu und du hörst mindestens drei oder vier verschiedene Leute spielen. Augen auf und es steht, hüpft und tanzt nur Petteri ganz allein mit seiner CWG 23, der limitierten Geburtstagsgitarre aus dem Hause Cuntz, über die Minibühne im Zorbas.
Den Mehrklangeindruck vermittelte die Spieltechnik "Slam", die Sariola entwickelt hat. Dazu kommen drei Tonabnehmer im Körper der Gitarre und eine ausgefeilte Technik-Leiste, die speziell dafür in Finnland gebaut wurde. Rot, Blau und Grün blinkte es zu den Füßen des Künstlers. Gezielte Pedaltritte schalten die Effekte ein, und plötzlich hallten die Töne, schwangen lang und hoch oder klangen eben wie Gitarre pur. Kein noch so kleines Stückchen der Gitarre blieb während des Auftritts unberührt und klang wie Bass, Percussion und Melodie parallel zueinander.
"See you in April 2009", kündigte Sariola an und donnernder Applaus brauste hoch. Denn am Sonntag, 5. April 2009, ist wieder "Gitarrenzauber" in Groß-Rohrheim. Dieses Mal gehen Andreas Cuntz und die Musikkiste als Veranstalter in die große Bürgerhalle, denn, das verriet Cuntz am Dienstag: "Martin Harley kommt mit seiner Band", und Petteri Sariola fühlt sich auf der großen Bühne sicherlich auch richtig wohl. Vor dem Höhepunkt Sariola gaben ausgesuchte, interessante Hobbymusiker ein Stelldichein auf der Offenen Bühne: Fröhlich, frivol und mit seichtem Tiefgang hatte Hans-Werner Brun aus Gernsheim seine Liedermachertexte verpackt. "Rosebud" präsentierten sich - nach Episoden zu zweit und zu dritt - dieses Mal zu viert, obwohl sie jetzt zu fünft sind.
An ihren einfühlsamen Texten und melodiösen eigen komponierten Liedern hat das nichts geändert. "Wir trauen uns nicht", verrieten sie. Nachdem sie sich auf der Rohrheimer Bühne ziemlich rar gemacht hatten, griffen die Musikkiste-Mitglieder Andreas Cuntz und Reinhard Helfert zusammen in die Saiten und gaben quasi die Vorgruppe zu Petteri Sariola.
Mit "Solsbury Hill" von Peter Gabriel als Duett Cuntz/Sariola schafften sie den perfekten fließenden Übergang zum Auftritt des musikalischen Finnen.
Viel mehr als nur akustische Genüsse
Musikkiste: Beim „Ohrenschmaus“ gibt es neben Musik von „Papa Legba’s Blues Lounge“ Blechkunst und Kulinarisches
Das Frösteln angesichts der Herbstkälte hatte am Sonntag keine Chance gegen die mitreißende Musik von „Papa Legba’s Blues Lounge“ beim dritten Ohrenschmaus des Vereins Musikkiste. Das Ambiente der Rathausscheune war der Ort für mehr als 100 Zuhörer, die zur Musik leckeres mexikanisch-hessisches Essen genießen konnten.
Nach dem ersten halbstündigen Musikintermezzo hatte dann auch die Sonne ein Einsehen und wagte sich wärmend hinter den Wolken hervor. Zwei IT-Manager und ein Architekt – Jürgen Queißner, Reiner Lenz und Thomas Heldmann – haben sich zusammengefunden und frönen einer ihrer Leidenschaften, dem Blues.
Dass es dabei auch zu keltischen und jazzigen Tönen kommt, stört nicht und ist beim Publikum sogar erwünscht. Mit dieser Mischung aus klatschbaren und locker swingenden Melodien, passgenauen Texten und viel Gefühl bringen die Drei aus dem Darmstädter Raum ihr Programm „Juicifiers on the Road“ an den Mann und die Frau.
Ganz und gar nicht wie aus dem Entsafter, das bedeutet „Juicifier“ nämlich, kamen die Klänge der Mundharmonikas, der Steelguitar und des Kontrabasses, nicht zerquetscht und saftlos, sondern mit Pep und Harmonie. Bereits aus verschiedenen Formationen bekannt, spielen Qeißner, Lenz und Heldmann, seit gut neun Monaten zusammen. Premiere hatten sie auf der Offenen Bühne im Januar.
„Die erste CD gibt es jetzt auch“, streute Jürgen Queißner, Kopf der Legba-Anhänger, locker die Eigenwerbung mit ins Programm – den Tonträger hatten sie natürlich mit ins Ried gebracht.
Um eine Woche Marokko und jede Menge Straßenmusikfertigkeiten sind die drei reicher: Queißner spielte in Nordafrika mit dortigen Musikern, zuhause tourten alle drei zusammen durch die Straßen deutscher Städte und sammelten Erfahrungen.
Genauso locker unterhielt die Musik im Stil der dreißiger bis fünfziger Jahre, die die Musiker in drei Sets zu je gut einer halben Stunde spielten. Eigene Arrangements, komplette Eigenkompositionen von Reiner Lenz und etliche Soli später gab es den Papa Legba’s Boogie, und der begeisterte Applaus schallte durch die Rathausscheune.
Es gab viele Unterhaltungen, teilweise nach draußen in die Sonne verlagert; zahlreiche neue Gesichter gesellten sich zu den altbekannten, die zu jeder Musikkiste-Veranstaltung kommen.
Für den optischen Genuss der Gäste hatte der lokale Blechkünstler Christoph Menger eine Auswahl von Exponaten zusammengestellt und kurz vor Ohrenschmausbeginn in der geheizten Scheune an die altehrwürdigen Fachwerkbalken genagelt.
Der findige Künstler arbeitet mit Blechschere, Klebstoff und einer Menge Fantasie. Dabei entstehen Bilder aus gebräuchlichen Blechdosen von Coca-Cola bis zum Bier, Abbildungen der Natur, oder in Anlehnung an ein Label oder Bild auf der Dose eine Variation dazu. Mit dabei ist ein „Quadrichon“ aus Pepsi-Dosen: „Das hat schon Seltenheitswert“, erklärte Menger. Denn den Aufdruck gibt es in dieser Variante schon nicht mehr. „Der Baum“, „Die Stadt“ und „Mohnblumen“ sind ebenfalls aus farblich passenden Weißblechdosen entstanden – schön anzuschauen und käuflich zu erwerben.
Tom Kunzmann hatte schon Stunden vor dem Event den Kochlöffel geschwungen und für würzig-pikante Soßen, frische Salate und eine scharfe Suppe gesorgt. Bratwurst vom Grill und Tortillas mit und ohne Käse rundeten das Essensangebot ab.
Der Sonntagmittag in der Groß-Rohrheimer Rathausscheune war eine runde Sache, denn es passte alles: Musik, Gäste, Essen und Wetter.
sbi
20.10.2008
Überraschung aus Bürstadt
Heike Ofenloch begeistert mit versiertem Gitarrenspiel und starkem Blues-, Jazz- und Swinggesang
Ein Gesamtkunstwerk mit Bibliser Beteiligung, Elvis-Lieder mit religiösem Inhalt aus Groß-Rohrheim und eine überraschende Jazz-Sängerin aus dem benachbarten Bürstadt: Das war das Programm am den sechsten Geburtstag der Offenen Bühne am Dienstag. Voll besetzt war der Nebenraum im Restaurant „Zorbas“, die Bühne war mit unterschiedlichen Instrumenten bereits zugestellt, als Heike Ofenloch aus Bürstadt dort ankam.
Mit dem Lampenfieber war abrupt Schluss: „Du bist jetzt dran“, sagte Eberhard Petri, Chef der Musikkiste. Dass sie sich „hochgeübt“ hat, glaubt ihr nach der Performance keiner, man musste glauben, das war schon immer so. Instrument, Stimme, die Person – alles passte. Begeistert lauschten die Gäste und die Mitglieder der Musikkiste, die allesamt selbst Musik machen, dem versierten Gitarrenspiel und der intensiven, perfekt zu den Blues-, Swing- und Jazzmelodien passenden Stimme.
„Die kommt einfach so von innen heraus“, stellte die Sängerin fest und sang weitere freie Interpretationen bekannter Lieder mit viel Gefühl. Dabei zeigte sie sich als Meisterin der sanften und der lauten Töne.
Vier Jahre professioneller Unterricht beim Jazz-Gitarristen Christian Lassen aus Lampertheim haben sie geprägt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich sowas spielen kann“, erzählte die zweifache Mutter und Angestellte in der Tourist-Information in Lorsch. Es war ein Genuss fürs Gehör, der nach stürmischem Applaus zu einer Zugabe und am Ende der offiziellen Bühne-Spielzeit zu einer leisen Session „unplugged“ mit Eberhard Petri und Thomas Matthes führte.
„Alte Bekannte mit neuem Programm.“ Mit dieser Formulierung stellte Petri das Duo Thomas Matthes und Reinhard Pleil vor. Sie hatten Songs des „King of Rock“ einstudiert, die die tief religiösen Wurzeln von Elvis Presley zeigten. „Wir sind keine Prediger“, sagte Matthes. Allerdings war es mucksmäuschenstill, als beide Musiker zu ihren Gitarren griffen und die kernige Stimme von Matthes ertönte. „Crying in a Chapel“ mit Gänsehauteffekt, „Father along“ mit Besinnlichkeit und „Stand by me“ – gefühlvolle Interpretationen, die trotz oder wegen des christlichen Inhalts zum Träumen führten.
Auch die beiden hatten eine Premiere mit dabei: Reinhard Pleil zeigte sich als Hobby-Gitarrenbauer und hatte seine Version einer Steelguitar dabei. Zum „Sleepwalk“, der Zugabe, erschallten, gar nicht schlafwandlerisch, schwingende, langgezogene Töne, die an den Haarspitzen zu ziehen schienen. Der Applaus war den „alten Bühne-Hasen“ sicher.
Offene Bühne einmal ganz experimentell: „Sinneswandel“, das intuitive Orchester, zog auf die Bühne ein. „Malerei, Sprache und Poesie auf einem Klangteppich“, versprach Petra Kühner-Salomon und lud damit auf eine ganzheitliche Sinnesreise ein. Für die „Kunst aus dem Moment“ waren einige Bühnegäste wohl noch nicht bereit, denn nach einigen Tönen leerten sich die Tische im Lokal langsam.
Doch wer ausharrte und zu verstehen versuchte, hörte musikalisch durchaus interessante Kombinationen, vernahm Sprechgesang mit prägnanten Worten, die kritisch-grotesk Missstände anprangerten und sah Ausdruckstanz, der schon leicht ekstatisch anmutete. Mutig ein solches Projekt an einem derartigen Ort zu präsentieren.
Das fanden auch einige Gäste, denen die experimentellen Phasen zu lang waren. „Das ist hier der falsche Ort für sowas“, war ebenso zu hören wie „das sind alles Semi-Dilettanten.“
Sonntag (19.), 11 Uhr, Ohrenschmaus, Rathausscheune; Freitag (24.), 20 Uhr, Pizzeria Sicilia, Tri Engel-Konzert; Sonntag (26.), 19.30 Uhr, Rathausscheune, Kabarett mit Daniel Helfrich; Dienstag (4. November), 20 Uhr, Zorbas, Offene Bühne mit dem jungen, finnischen Meistergitarristen Petteri Sariola, Rosebud, Hans-Werner Brun und einem Musikprojekt von Andreas Cuntz und Reinhard Helfert.
sbi
10.10.2008
Ist „Alles muss raus“ ein Magen-Darm-Tee?
Offene Bühne: Musik und Comedy am ersten Abend nach der Sommerpause – Kraftvoller Auftritt von „Liz Verkannt“
Das Warten hat ein Ende: Die Sommerpause der Offenen Bühne im Groß-Rohrheimer Restaurant „Zorbas“ ist vorbei. Mit einem gemischten Stilangebot startete die monatliche Musik- und Kleinkunstbühne am Dienstag in die neue Saison.
Mit vier Jahren hat sie angefangen, Klavier spielen zu lernen, mit elf schrieb sie ihre ersten Songs, am Dienstagabend stellte die jetzt 20 Jahre alte Liz Klingenhöfer aus Schlüchtern einen Auszug aus ihrem Programm vor. Äußerlich eher zerbrechlich wirkend legte sie als „Liz Verkannt“ eine Kraft in die Texte rund um verhasste Lügen im Alltagsleben, die man ihr auf den ersten Blick nicht zutraute. Erwartet hätte man Inhalte um Liebe und Herzweh und nicht teilweise düstere Eigenkompositionen, die zum Bühnestart ein wenig schwer verdaulich ankamen, aber mit dem gebührenden Applaus honoriert wurden.
Sein man weiß nicht wievieltes Gastspiel mit frischen Gags gab der Comedian Matthias Jung. Mittlerweile ist er zwar nach Köln gezogen, innerlich aber noch immer in Hüffelsheim zuhause. Alles in der großen Stadt mutet noch seltsam und fremd an: „Komm ich in den Bioladen, da fragt doch tatsächlich eine Öko-Tante ob das Ei den auch von seinen Hühnereltern ‚gewollt‘ war“, erzählt er verdutzt. Lachsalven gab es erst, als er den Bio-Verkäufer zitierte: „Des woar ä Überraschungsei.“ Weil er noch so jugendlich wirkt, kommt er nicht in jede Disko rein, also verwickelt er den Türsteher kurzerhand in ein Gespräch über dessen Beruf: „Hast du früher schon die Türchen am Adventskalender bewacht? Oder: „Wenn der Lehrer dich zur Strafe vor die Tür schickte, hast du darin dann deine Berufung zum Türsteher gesehen?“ Junggesellen bereiten sich auf den „Ernstfall“ vor. Früchtetees werden „Heiße Liebe“ genannt, heißt dann ein Magen-Darm-Tee auch gleich „Alles muss raus“?
Den Telekom-Service-Menschen setzte Jung locker matt, als er dessen Fragen mit üblichen Telefon-Aussprüchen seiner Mutter beantwortet. Am Ende versicherte Jung den Bühne-Gästen: „Beruflich geht’s ganz gut, privat hätte ich mal gern wieder ne Frau.“ Die selbstverfasste Kontaktanzeige ließ kein Auge trocken.
Ganz ans Ambiente im Zorbas angepasst hatten sich die beiden Musiker von „Schlagsaite“ aus Darmstadt: Die Bouzouki erklang, Alexis Zorbas schien zu tanzen. Mit Gitarren und der Cavaquinho, einer brasilianischen Minigitarre mit Ukulelenklang entführten Marion Möhle und Thomas Memleb in die Stimmung des Südens. Gleich darauf fanden sich die Zuhörer beim „Bretonischen Frühstück“ wieder, um gleich danach die Herzenswärme „Calor de Corazon“ der Cavaquinho zu hören.
Alle fünf waren in Unterschiedlichen Formationen schon Gast auf der Offenen Bühne: ERICA, die neue Projektband mit Eberhard Petri (Musikkistechef und Jazzliebhaber), Rolf Lautenbach (leidenschaftlicher Trommler), Ina Burger (perfekt am Kontrabass), Carlo Wanger (eins mit dem Altsaxofon) und Andreas Degelow (Spezialist am Tenorsaxofon). Eine bunte Mischung von Freejazzkompositionen mit klangvollen Titeln wie „Im Vergnügungspark“ oder „Schwätz ich chinesisch?“ unterhielt bis zum Ende der Offenen Bühne.
sbi
5.9.2008
Songs von Dankbarkeit für Freundschaft und Liebe
Offene Bühne: Dreistündiges Musikprogramm im Groß-Rohrheimer „Zorbas“ – Einige Akteure versetzen Veranstalter
Glücksgefühle, Liebe, Melancholie: alles Themen für Ohrwürmer. Am Dienstagabend war zwar etwas weniger los bei der Offenen Bühne im Zorbas, denn Sommerzeit ist Ferienzeit. Doch die Zuhörer genossen das abwechslungsreiche Programm trotz tropischer Hitze. „Ich fühle mich hier richtig wohl“, sagte Susanne Heidrich, die zum Auftakt des dreistündigen Musikprogramms mit Eigenkompositionen zum Träumen verführte.
Das ist das Flair der Offenen Bühne seit mehr als fünf Jahren. Jeder kann sich hier wohl fühlen, sei es Susanne Heidrich, die einmal in „Minimalbesetzung“ ohne ihre Band „Männer sind seltsam“ singt, über Gefühle, die Achterbahn fahren, oder einfach ins Mikrofon haucht „Lieb mich“.
Da wäre auch „Denkerskind“ Till Schneider zu nennen, der im Dezember 2007 schon einmal gastierte. Ein halbes Jahr später haben seine Texte und die eindringliche Gitarrenbegleitung nichts von ihrer Stärke und Botschaft eingebüßt: Er malt düster-reale Bilder der Welt und der Zwischenmenschlichkeit, mahnt zu Frieden untereinander und weltweit. Dafür gab es viel Applaus.
Eher artig wurde der gespendet für Hagen Höpfner. „Dr. Hagen“, wie er sich nennt, lehnt sich in Art und Weise sehr an den befreundeten Denkerskind an, besitzt aber nicht die Ausstrahlung. Die kann ja noch kommen, jeder fängt mal an. Songs von Dankbarkeit für Freundschaft und Liebe – Groß-Rohrheim hörte zu.
Die Sturm und Drangzeit liegt schon hinter Eva Henschke, die erstmals am E-Piano aufspielte. Begleitet von Eberhard Petri an der Gitarre klappte das mit seichten Jazztönen schon ganz gut. Einfach probieren – auch das ist „Offene Bühne“. Ein wenig Üben noch, und „Summertime“ wird auch bei über 30 Grad im Nebenraum des Zorbas zum Genuss.
Solch ein Experiment war auch der geplante Auftritt von Emiliano Trujillo-Ripper, dessen Spezialität indische Ragas sind. 2007 entführte er die Besucher schon einmal in den Orient, jetzt aber versetzte er die Organisatoren. Schade für die Zuhörer, von denen viele wegen seiner ungewöhnlichen Musik gekommen waren. Auch die angekündigten Mitstreiter von Eberhard Petri, der mit Gleichgesinnten der Jazz-Conception einen Auftritt geplant hatte, fehlten.
Nach der Sommerpause gibt es die Offene Bühne ab September an jedem ersten Dienstag im Monat. Am Samstag, 9. August, ab 17 Uhr rockt die Musikkiste wieder am Grill. Bei dem Open-Air Konzert sind „Golden Cut“ um Frontmann Tom Kunzmann der Top-Act. Jazzrock mit „Fainting in Coils“ gibt den Start ins Freiluftkonzert. Susanne Kohl aus Groß-Rohrheim ist Mitglied bei „The Groove Generation“. Reggae, Pop und Soul versprechen die jungen Stimmen als zweite Gruppe bei Rock am Grill.
Die weiteren Planungen sehen für Donnerstag, 16. Oktober, um 19 Uhr einen Auftritt von Daniel Helfrich in der Groß-Rohrheimer Rathausscheune vor, im November soll es dann „Kunst in der Küche“ geben.
sbi
4.7.2008
Musik und Kabarett auf der Offenen Bühne
Kleinkunst: Daniel Helfrich überzeugt in Groß-Rohrheim mit Silbensprüngen
Mit flotten Sprüchen, heißer Musik und noch heißerer Luft feierten gut 80 Besucher die vier grundverschiedenen Musik- und Kabarettangebote der Offenen Bühne am Dienstagabend in Groß-Rohrheim.
Hinein ins Zorbas und bei saunaähnlicher Temperatur einen Platz gesucht, da ging es auch schon mit Wortakrobatik aus dem Odenwald los. Daniel Helfrich bot Klavierkabarett mit einfühlsamen Melodien und gekonnten Silbenumstellungen, die den Sinn der Wörter umkehren.
Als „eine Welturaufführung" kündigte Helfrich seinen neuen Song „Kaktusse, du" an. Schnell in Berlin auf einen Pizzakarton gekritzelt, hat der es nun bis nach Groß-Rohrheim geschafft. Genau hinhören war dabei angesagt. Witz und Sinn ergeben sich erst, wenn man die Silbensprünge mitmacht. Schaurig schön war etwa die Liebesmär von der Kerze Timo, die tragisch mit Timos Tod als „Candle in the Wind" endet. Zum Credo wird der Song „Fett und verlobt", dessen Fazit ist: „Zum Eheliche brauch ma ä digges Fell."
Die „Tri-Engel" mit Carmen Wetzel, Anke Scheven und Eberhard Petri ließen die Besucher singen im Takt der Evergreens. Als Andrews Sisters oder mit Beatles- und Abba-Songs überzeugten die drei auf der Offenen Bühne.
„Wir dachten erst, wir sind zu hartgängig für euch", begrüßte danach Stefan Teutsch von Jam Slam" aus Schifferstadt das Publikum. „Wir halten euch aus", tönte es von dort vielstimmig zurück. Stefan Teutsch und seine Truppe stellten den Nebenraum des Zorbas musikalisch auf den Kopf und spielten Hits von Police und Lenny Kravitz bis zu Stevie Wonder. „Iss des warm", stöhnten die vier und sprachen damit allen Gästen aus der Seele.
Holger Henning ist Kopf des gleichnamigen Quartetts aus Darmstadt, saß zwischen Thomas Heldmann (Bass), Thomas Hofmann (Schlagzeug) und dem Mundharmonika-Zauberer Reiner Lenz und ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Locker schnippte das Publikum bei „What a difference a day makes" mit.
Mix aus Lebensfreude und Melancholie
Offene Bühne: „Absinto Orkestra" fasziniert das Publikum im Restaurant Zorbas mit temperamentvollem Sinti-Jazz
„Naga Mahwyn" sagen die Chippawa-Indianer, wenn sie „Singen" meinen: So heißt auch das Duo, das eine wiederum erstaunliche Offenen Bühne im Restaurant „Zorbas" am Dienstagabend eröffnete. Zdenka Mrla und Wolfgang Haselberger entführten die Gäste in die Klangwelt der Indianer, Spanier und in den Rock- und Popbereich, „Absinto Orkestra" zogen das Publikum mit auf eine Welle von Leichtigkeit, Temperament und Geschwindigkeit.
Der selbsternannte Liedermacher Christian Lauffs ließ das wallende Blut gleich wieder abkühlen und intonierte Eigenkompositionen von der Zerstörung der Natur und ein erstes Liebeslied: „Jeder gute Liedermacher muss auch einmal die Liebe besingen", stellte Lauffs fest.
Eigentlich hätte die Schülerband „Improved" auftreten sollen, doch schon zum zweiten Mal hatten die Schüler aus Lampertheim und Hofheim kurzfristig abgesagt: „Ich bleibe aber dran", versprach Musikkiste-Vorsitzender Eberhard Petri, der den Musiknachwuchs schon mal für Juli ankündigte.
Also machten der barfuß auftretende Wolfgang Haselberger: („damit ihn die Musik nicht aus den Schuhen haut") und Zdenka Mrla, die mit ihrer angenehmen Stimme jede Art von Sprache zur Melodie der Gitarre und Mandoline perfekt rüberbrachte, den Anfang. Da wunderte es auch nicht, dass die beiden sympathischen Sänger und Songwriter den Styx-Ohrwurm „Boat on the River" ganz locker zu „Ä Loch iss im Bood" umgedichtet hatten. „Unn dabei iss die Messitch: mach disch ned verrickt", folgte - ganz logisch - die Erklärung am Ende.
Eigene Stücke wie „Echo of your mind" oder „Drifting away", das als Zugabe noch einmal zu hören war, erklangen als rockige Balladen und gefielen dem stark applaudierenden Publikum.
„Wie ein guter Absinth: feurig-expressiv und euphorisierend": Dieser Ankündigung wurden die Musiker von „Absinto Orkestra" voll und ganz gerecht. In einem mitreißenden Mix aus Lebensfreude des Sinti-Jazz und der Melancholie der Roma-Lieder faszinierten sie die Bühnen-Gäste, die gern noch länger dieser fesselnden Musik gelauscht hätten.
Heiß und bittersüß donnerten die Klänge der perfekt gespielten Geige ins Gehör, zogen geradezu an den Haarwurzeln, ließen eine wohlige Gänsehaut entstehen, um gleich darauf wieder in die Fußspitzen zu fahren und dort für rhythmisches Zucken zu sorgen.
Puszta-Gefiedel und Hey-Rufe rissen mit und heizten für Stimmung an. Ganz sacht und leise gezupft und gestrichen sorgten Geige, Gitarren und Kontrabass für Entspannung. Sie hatten ihr Publikum fest im Griff: Hans Bender impulsiv am Kontrabass, Stefan Ölke blitzschnell an Mandoline und akustischer Gitarre, Johannes Reinig leidenschaftlich und temperamentvoll an der Violine und Joachim Schappert ganz versunken in sein Gitarrenspiel.
„Das war unser Demo-Auftritt", verriet Stefan Ölke. Denn es gibt ein Wiedersehen mit den heißen Musikern beim Ohrenschmaus 2009.
Ganz anders, aber nicht schlecht - dabei ganz leise - hob Christian Lauffs mit seinem Gesang gewissermaßen den Zeigefinger: „Die letzten Giganten" beschrieb das Schmelzen der Gletscher; die Ode an Antoine de Saint-Exupéry das mysteriöse Verschwinden des Schriftstellers und „Als wenn dieser Tag der letzte wär" eine Liebe, die Zeit braucht.
Termin
Die nächste Offene Bühne verspricht am 3. Juni (Dienstag) mit „Jamslam" und dem Kleinkünstler Daniel Helfrich wieder ein buntes Programm.
Das Zorbas wird zur rauchigen Jazzkneipe
Offene Bühne: Gaby Borchardt vom Duo „New in Town“ bringt Publikum mit ihrer kraftvollen Stimme zum Träumen
Kein Schlagzeug, keinen großen Bühnenaufbau, lediglich einen Stuhl, Mikrofon, Notenständer und das E-Piano brauchten die „Stars“ der Offenen Bühne am Dienstagabend. Im Nebenraum des Zorbas spielte Thomas Martin aus Worms Gitarre in „Sauerkraut mit Nudeln-Manier“, das Duo „New in Town“ unterhielt mit sanftem Timbre in der Stimme, Willi Graf steuerte gewagte Interpretationen bekannter Welthits bei, und Tom Matthes setzte den rockig-bluesigen Schlussakkord mit Elvis- und Countrysongs.
Von allem etwas bot die Palette also, denn schon „Sauerkraut mit Nudeln“ passt eigentlich gar nicht zusammen, ist aber der Titel der Musikdarstellung von Thomas Martin. Nach der Trennung seiner letzten Band „Cosmic Ducks“ wandelt er auf Solopfaden und erprobte sein Einzelkönnen an den Groß-Rohrheimer Gästen. Das klang gar nicht übel, und auch die Erklärung, weshalb er den Menuetitel wählte, überraschte ein wenig: „Ich stecke an meine Akustikgitarre einen Verstärker und in den gleichen Ausgang mein Mikrofon“.
Die Selbstfindung begann mit dem gefühlvollen Song „Crossroads“, Kreuzungen. An einer solchen befindet sich Martin seit geraumer Zeit und sucht seinen Weg. Dabei kam dann auch der „Looper“ zum Einsatz, ein Gerät, das eingespielte Akkorde speichert und auf Knopfdruck wiederholt abspielt: „Ich hoffe ich treffe den immer zur richtigen Zeit“, scherzte Martin. Sozialkritisch zeigten sich die Texte bei „Speak out against the Madness“ oder auch „Pigs in the Sky“, wo Manöverflieger des Militärs beschrieben wurden. Der Applaus zeigte, das dem Publikum gefiel, was der Musiker zu bieten hatte. Brav bedankte sich Thomas Martin und richtete sein Wort an Andreas Cuntz, Gitarrenbauer und Musikkistemitglied: „Der hat die richtigen Hände für das Instrument, er hat aus Gitarrenstiefkindern schon beste Freunde für mich gemacht.“
Schon einige Tage schleppte Gaby Borchardt, unerwartet sanfte, aber dennoch kraftvolle Jazzstimme der Formation „New in Town“, eine Erkältung mit. Dennoch klang das Timbre angenehm zur Keyboardmusik von Jörg Kintopf. Stimmungsvolle Lieder erschallten, die den Nebenraum der griechischen Gaststätte sofort ins Ambiente einer rauchigen Jazzkneipe tauchten: Bei „Purple Rain“, Cry me a River“, „I can see clearly now“ von Johnny Nash und zum Abschluss „Route 66“ brachte Gaby Borchardt die ganze Bandbreite ihrer gewaltigen Stimme, die Gefühle weckte und das Publikum zum Träumen brachte.
Das Kontrastprogramm dazu kam von Willi Graf: Nach einigen gesundheitlichen Rückschlägen und zweimal verschobenem Auftritt griff er in die Saiten und machte auch mit seiner Stimme einen unverwechselbaren Eindruck. Westernstil mit „Some broken Hearts never mend“, Kris Kristoffersens „Help me make it through the night“ oder auch das in einer mutigen Eigeninterpretation vorgetragene „Hotel California“ von den Eagles erstaunten das Publikum.
Balsam fürs Gehör verströmte danach Tom Matthes, der kernigen Sound, rockige Elvis-Nummern und den absoluten Blues bei „Knockin’ on Heavens Door“ vermittelte. Rauch in der Stimme gab es bei „Stormy Monday“ und lautstarken Chorgesang der Zuhörer bei „Hoochie coochie man“. Elvismelodien lockten einen leicht ergrauten Fanclub, gelenkig aus den Hüften tanzend, auf den freien Platz vor dem Musiker, der sich dadurch noch zu weiteren Zugaben verleiten ließ.
Mit „That’s all right Mama“, war dann aber nach gut dreieinhalb Stunden endgültig Schluss im Zorbas.
Nächste Offene Bühne am 6. Mai (Dienstag) um 20 Uhr im Groß-Rohrheimer Restaurant Zorbas.
Sabine Weidner 05.04.2008
Im Bann der Klangzauberer
Konzert: Publikum im Anbau der Groß-Rohrheimer Bürgerhalle hört vier Stunden lang Gitarrenmusik auf hohem Niveau
Drei Cuntz-Gitarren, drei Stühle, drei Sänger und Gitarrenspieler – zum zauberhaft-brillanten Finale stieg Gitarrenbauer Andreas Cuntz mit Martin Harley und Petteri Sariola auf die Bühne. Tosender Applaus begleitete den Aufmarsch der faszinierenden Bau-, Spiel-, Sing- und Zaubertechniker und das mit Recht. Denn sie setzten mit „Ol’ 55“ von den Eagles am Freitagabend ein dreistimmiges Finale nach gut vier Stunden Gitarrenzauber im proppenvollen Anbau der Bürgerhalle.
Nur noch getoppt wurde diese Darbietung durch die Session, bei der alle Musiker auf die Bühne kamen und einen Mix aus all ihren Stilen, unterschiedlichen Instrumenten und Stimmen zu einem harmonischen Titel zusammentrugen.
Zum zweiten Mal war es Andreas Cuntz gelungen, „seine“ Gitarrenstars zu einem Konzertreigen im Nachgang der Musikmesse in Frankfurt zu gewinnen. Zu Cuntz’ Leidwesen war Roland Joubert erkrankt und konnte das Publikum nicht – wie im vergangenen Jahr – mit seinen eingängigen Melodien, der samtweichen Stimme und seiner Performance in den Bann ziehen.
Kurzerhand ließ sich das King-Baumgardt-Duo, das am Vortag in Offenbach zum ersten der drei Konzerte mit auf der Bühne stand, auch für Groß-Rohrheim engagieren. Mit dem krassen Kontrast zu den hochwertigen Hand gearbeiteten Cuntz-Gitarren, spielte Matthias Baumgardt auf einer Flohmarkt-Gitarre, die gerade einmal fünf Euro gekostet hatte. April King aus Louisville (Kentucky) sang mit Rauchtimbre und Countrytakt dazu. Mit den Ausnahmeinstrumenten des Gitarrenbauers aus Groß-Rohrheim gingen Sariola und Harley während des Auftrittes nicht gerade zimperlich um. Man hätte denken können, die aus schönsten Holzarten geformten Gitarren müssten von Kratzern übersät sein – aber nein: Auch als Sariola seinen ganz eigenen innovativen Slam-Stil zelebrierte, trommelnd, tappend und slappend auf einer CWG23, der Gitarre mit limitierter Auflage, die zum zehnten Geburtstag der Gitarrenwerkstatt entstanden ist, nahm das Instrument keinen Schaden.
Mit vollem Körpereinsatz entlockte der 23 Jahre alte Finne seiner Gitarre Klänge von Echoklang über Bass bis Percussion plus Melodie. Es war ein Hörerlebnis der ganz besonderen Art – einmal zart und balladenhaft, ansatzweise zu erkennen „Last Christmas“ von George Michael, und andere bekannte Lieder, und dann übergangslos rockig und schlagbetont – das Publikum im Alter von knapp zwei Jahren bis ins Seniorenalter fand es super und fragte sich bisweilen „wie macht er das?“
Der „junge Wilde“, der mit seiner Gitarre zu einer Einheit zu verschmelzen scheint, erhielt endlos langen Applaus und fordernde Pfiffe, bis die erhoffte Zugabe kam. „Ihr seid meine Freunde“, freute sich Sariola, und fand: „Das war es wert, nach Deutschland zu kommen.“ Gut, dass es nach jedem Auftritt eine Pause gab, zum Füße vertreten, Frischluftschnappen und über das Gehörte reden und fachsimpeln, denn jede Menge Musiker waren nach Groß-Rohrheim gekommen, um die Stilspezialisten zu sehen und zu hören. Die Aussage „ich wusste gar nicht, dass eine Gitarre solche Töne machen kann“, war während des Ausnahmeevents häufig zu hören.
„My new friend on stage“ rief Sariola und schaffte damit den nahtlosen Übergang zu Martin Harley. Dann kam „er“, Martin Harley himself, der beste Einzelkünstler des Jahres 2006, der auch in Groß-Rohrheim wieder mit dem perfekten Slide-Spiel verzauberte. Zuerst jedoch setzte er sich neben den jungen Kollegen, legte sich die Weissenborn-Gitarre im Hawaiistil auf die Knie, und die beiden Virtuosen, ein jeder in seinem Stil schafften eine Harmonie der grundverschiedenen Spielarten, die restlos in den Bann zog.
Von Bob Dylan inspiriert erklangen Balladen. Einige Songs, die Harley bereits 2007 dabei hatte, waren im Programm. Aber live reinhören in neue Lieder, die demnächst auf CD verewigt werden, war auch drin. „Chocolate Jesus“ und „Money don’t matter“ gehörten zu den Bekanntesten.
Hand in Hand verabschiedeten sich die Zauberer des Abends und sagten einhellig: „I loved it“.
Die Musikkiste als ausrichtender Verein hatte beworben, bewirtet und alles wieder aufgeräumt, damit von der großen Musikparty nach wenigen Stunden nur noch der Nachklang in den eigenen Ohren zurückblieb.
Sabine Weidner 18.03.2008
Lauter als die Polizei erlaubtKonzert: Fans sind von der Rockformation Golden Cut begeistert – Nachbarn allerdings reicht’s nach zwei Stunden
Im November 2006 hatten sie ihr letztes Heimspiel mit einem Party-Konzert: die Rockformation Golden Cut. Als Neujahrsleckerli für alle Fans, Freunde und Bekannte spielten sie am Samstag im Zorbas, wo sonst die monatliche „Offene Bühne“ die Groß-Rohrheimer mit musikalischen und kleinkünstlerischen Vorstellungen verwöhnt. Leider mochten die Nachbarn nicht länger mitfeiern, und das Konzert endete bereits gegen 23.15 Uhr mit einem Besuch der Polizei.
Trotzdem wurde ohne Musik noch ein wenig weiter gefeiert, nachdem knapp 80 Rohrheimer Fans bis dahin schon gut zwei Stunden Rock und Blues hatten genießen können. Diesen Stilrichtungen haben sich Tom Kunzmann (Gesang und Bluesharp) und seine achtköpfige Band mit Andreas Krocker (Gitarre und Gesang), Heiko Humpich (Gitarre), Volker Wrede (Bass), Norbert „Ginger“ Müller (Schlagzeug), Monica Kunzmann und Manuela Holzkamp (Vocals) verschrieben. Klassiker von AC/DC, ZZ Top, den Stones, Status Quo und auch Robert Palmer gingen in Ohren und Füße.
Die gnadenlosen Beats des Basses und des Schlagzeugs versetzten den Boden in Schwingung und saugte die Menschen darauf geradezu auf die Tanzfläche.
Die Mundharmonika, die „Harp“ dicht an den Lippen, die Anstrengung und Konzentration im Gesicht zog Tom Kunzmann die minutenlange Intro zu „Hootchie-coochie-man“ tüchtig in die Länge. Fast nicht mehr auszuhalten war das Knistern der Stimmung, bis dann endlich auch die heiß ersehnten Schlagzeug und Bass-Akkorde erschallten, und lautstarkes Mitsingen bis zum erlösenden Harp-Signal am Ende des Songs angesagt war.
Gefühlvoll interpretiert sorgte der Blues „My Baby quit me“ für denselben, doch das Filetstückchen „By the river“ von Bob Seeger sorgte gleich darauf wieder für rockige Laune.
Eine eingefleischte Fantruppe aus dem benachbarten Biblis belagerte die Theke, die Stehtische waren gleich zu Anfang des Abends begehrte Plätze, und an den Tischen wurde gegessen, getrunken, gesungen, gelacht und Stimmung gemacht.
Kunzmann brauchte gar nicht lange zum Mitmachen animieren, spätestens als Monica Kunzmann das Mikrofon ergriff und ein Solo sang, gab es frenetischen Applaus und für die Tänzer kein Halten mehr. Golden Cut haben wieder einmal den goldenen Schnitt zwischen den Musikstilen von gestern zu heute gefunden. Sie haben ihr Repertoire erweitert und damit wieder den Geschmack nicht nur der Junggebliebenen sondern auch der Jüngeren getroffen. Die Fans dürfen sich schon auf die nächsten Auftritte freuen.
Sabine Weidner 21.1.2008
Wer dabei war - hat es erlebt!!!
Die erste Offene Bühne 2008 - © Sabine Weidner
Was für eine Mischung! Die erste Offene Bühne 2008 bot von Anfängern über Könner bis zu Spezialisten alles, was kleinkünstlerisch machbar ist. Im bis auf den letzten Platz besetzten Nebenraum des griechischen Restaurants „Zorbas" kochte die Stimmung hoch: Ganze Familien hatten ihren Nachwuchs begleitet, der erstmals auf der Bühne stand, Heinz Burger lieferte Stoff für Lachsalven aus seinem beliebten Büttenrednerprogramm, pickende Gockel verzückten mit faszinierender Technik und ein Pfand fordernder Woodoo-Gott namens „Papa Legba" brachte drei Darmstädter Musiker zum Blues. Obendrauf das Sahnehäubchen für alle Bühne-Fans: die Session am Ende eines langen, aber sehr unterhaltsamen Abends.
Da gesellten sich Thomas Matthes, bekannt als ein „Tom" bei Tom&Tom's Bluestrain, wo er mit Tom Kunzmann singt und spielt, an Mikrophon und Gitarre, Eberhard Petri mit der Gitarre und zwei bis dahin unbekannte Damen mit Querflöte und Saxophon zu den gerade auf Höchstform eingespielten Woodoo-Anhängern von „Papa Legba's Blues Lounge". Improvisationen vom Feinsten, zum Mitsingen, Rhythmus klatschen und genießen begeisterten das Publikum. Den perfekten Einstieg schaffte dabei Anja Grebe mit ihrer Performance auf der Querflöte, die sie mit viel Einfühlungsvermögen zwischen Bass, Gitarre und Mundharmonika platzierte. Einige Takte später wagte auch das Altsaxofon erste Töne und Chris Marpe kam zur bunten Mischung dazu: Mit dem eingängigen Klang der Saxofontöne, locker und träge-melodisch mitreißend kam Traumstimmung auf.
Gleich wieder herausgerissen vom tiefgehenden Basssolo von
Thomas Heldmann, der auch aus der Kultband „En Haufe Leit", die mit Jazz- und Dixie-Sound rund um Darmstadt verwöhnen, bekannt ist. Jürgen Queißner ist die Stimme der „Legba-Anhänger", mit dem Timbre, das zu den keltischen und bluesgefärbten Liedern hervorragend passt und auch beim Jazz harmonisch klingt. Der Dritte im Bunde ist Reiner Lenz, mit verschiedenen Mundharmonikas und der Maultrommel sorgte er für den unverwechselbaren Ragtime und Blues. Oden für unverheiratete Männer haben es dabei dem Trio angetan: „Rattlesnakin' Daddy" oder
, fürs Gefühl, der „How-long-Blues" und Pfirsische im Frühling: „Peaches in a Springtime" machten den Stil der 1930er bis 1957er Jahre wieder lebendig. Der rote Bass, die silberfarbene, glitzernde Steelguitar und die Harmonikas kommen wieder - und das ist keine Drohung sondern ein gern gehörtes Versprechen.
Aus „Häjne", zu Deutsch: Hähnlein, kamen Michael Jockel, Konni Braun und Peter Steiner, die beiden letztgenannten sind musikalische Zuwanderer aus Seeheim-Jugenheim. Damit ist auch der Bandname klar: Hähnlein steht dabei für Hahn oder Rooster, der pickt, was die Verbindung zum Spielstil hergibt: dem Picking. Zusammen ergibt das „The Picking Rooster Band". Mucke zum
Reinlegen von Lotterleben und Reue, oder von den Leuten, die dort leben, wo die grausamen Moorhühner tuten und Nessi in den Fluten steckt, die aber verdammt guten Whiskey machen, handelten ihre Lieder. Lebensart pur in Songtexte gefasst und meisterhaft interpretiert mit Instrumenten, die nicht ganz alltäglich sind: So lernten die Rohrheimer die Dobro kennen.
Die Resonatorgitarre wird gewöhnlich auf den Oberschenkeln liegend mit einem Slider (Glas- oder Messingrohr, abgetrennter Flaschenhals) am Finger gespielt und bringt damit den typischen Sound. Jockel erlernte das Instrument bereits mit drei Jahren und ist laut Aussage seiner Kollegen heute unschlagbar: er stellte es unter Beweis. Bei „Papa played the Dobro" wurde es mucksmäuschenstill und auch der Musikernachwuchs aus dem Groß-Rohrheimer Jugendhaus in der Speyerstraße lauschte andächtig.
Die fünf Jugendlichen um Eberhard Petri lernen seit September 2007 Gitarre spielen. Und nicht nur das: Sie singen auch. Lampenfieber gehört bei Premieren dazu, als es etwas verflogen war sangen Constanze, Melanie und Bianca „Love is all around" von Wet Wet Wet, Petri, Fabian und Florian begleiteten dazu. Der Fanclub aus Mamas, Papas und Geschwistern applaudierte frenetisch.
Alle machten mit, sei es beim Refrain singen oder als Chor für ganze Textpassagen, dem Publikum gefiel, was der Nachwuchs zeigte.
Etliche Lachsalven heimste Heinz Burger gewollt ein: Der aus „Hessen lacht zur Fasenacht" bekannte Fastnachter aus Gernsheim gab Neues und Bekanntes zum Besten. Mit Schürze vorm Bauch und erhobenem Zeigefinger erklärte er auch denen, die es nicht wissen mochten das Mysterium der Leberwurstrezeptur. „Die Erschaffung der Lewwerworschd wird mit Wissensdorschd erforscht" und erklärt recht hessisch „was noi kummd unn was nedd".
Einer der zusammengeworschdelten eigenen Texte aus seinem Buch mit dem Titel „Hausmacher Worschd", die oft zum Fazit kommen: „Nix genaues waas mer nedd". Dass er auch singen kann, oder zumindest dazu animieren, zeigte er als rotnasiger Faschingsrecke mit Spazierstock, der „Man muss für alles eben dankbar sein" auf wirklich jede erdenkliche Lebenssituation bezog. Eine total verzwickte Hochzeitsreise, die nicht zum erwünschten Vollzug nach dem Motto „Seid fruchtbar und mehret euch" kam, war Thema am späteren Abend. Die frisch gebackene Ehefrau als Pfand hinterlegt oder ins Fruchtbarkeitsritual der Sioux mit Häuptling „Schwankendes Rohr" geraten, bleibt die Reise in lebhafter Erinnerung.
Wer nicht da war hat was verpasst: Super Stimmung, nette Leute und ein Programm, das seinesgleichen sucht. Die nächste Offene Bühne ist am Fastnachtsdienstag (05.02.), 20 Uhr im Zorbas, es stehen bereits drei Bands auf der Menuekarte.
Sabine Weidner







