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Presse

Pop in der Kirche

Canta con me: Chor aus Mörlenbach singt in Groß-Rohrheim die Lieder, die an Queen und Freddy Mercury erinnern
GROSS-ROHRHEIM. „Canta con me“, sing mit mir, dazu brauchten die 20 Sänger aus Mörlenbach nicht aufzufordern: Die Zuhörer bildeten in der evangelischen Kirche Groß-Rohrheim einen fast 100-stimmigen Chor für die Lieder der Kultgruppe Queen.
Pfarrer Konrad Knolle hatte den außergewöhnlichen Chor nach Groß-Rohrheim eingeladen. Jugendliche aus dem Musikprojekt des evangelischen Jugendhauses hatten unter der Leitung von Eberhard Petri einige ihrer einstudierten Lieder „zum Aufheizen“ für das Konzert präsentiert. Schon dazu sangen fast alle Gäste mit und wollten mehr: „Danke, wir können nichts mehr“, gestanden die Jugendlichen, die erst seit September zusammen musizieren. Lang anhaltender Applaus war der Dank.
„Dring dring“, das durchdringende Klingeln einer Fahrradglocke machte schon vor den ersten kraftvoll gesungenen Sätzen jedem Queen-Fan klar: „Bicycle race“ war der Einstieg in fast zwei Stunden Kultsongs. Darin hatten die Sänger um ihren musikalischen Leiter und Dirigenten Peter Schnur eine perfekte Mischung aus bekannten und weniger oft gehörten Liedern komponiert.
Schnur erzählte im Gespräch mit dem ECHO: „Es gibt nur zwei der Queen-Songs als Arrangements zu kaufen“, alle anderen habe er selbst für die 27 Sänger umgeschrieben, die zwischen 16 und 56 Jahre alt sind. Mit der schwungvollen Untermalung am E-Piano ließen die Lieder Freddy Mercury und Band mit ihren Liedern wieder auferstehen.
Warum Queen? Klar ist für Schnur der unverwechselbar Stil und Sound der Kompositionen, die markante Stimme und Ausstrahlung von Freddy Mercury, dem ersten Prominenten, der zu seiner HIV-Krankheit stand und an ihr vor 16 Jahren starb. „Die Inhalte von Tod und Abschied verpackt in bombastischen Chören“, geriet Schnur ins Schwärmen von der Vielfalt. Die hat er passgenau auf seinen gerade erst fünfeinhalb Jahre alten Chor arrangiert. Dabei gab es für die Stimmakrobaten jede Menge Zungengymnastik, denn mit rasanter Geschwindigkeit reihen sich Silben aneinander, abgehackt und zackig, danach wieder zart schmeichelnd sang Mercury seine Lieder.
Die Ohrwürmer von „The show must go on“ bis „Crazy little thing called Love“ und „Killer Queen“ machten durch gezielte Textüberleitungen sensibel für die Inhalte und sorgten durch Rhythmus und Mitsingen für Spaß in der Kirche. Gänsehaut war keine Seltenheit, vor allem als Corina Schmitt ihre klare Stimme erschallen ließ und solo „Love of my Life“ sang. Mucksmäuschenstill war es da im Gotteshaus.
Zwischen vielen Höhepunkten des kurzweiligen Konzerts war die „Bohemian Rhapsodie“ einer der eindrucksvollen. Mehr als fünf Minuten Gesang über einen, der dem Tode schon nahe steht, im Programm und als finale Zugabe ein ergreifender und nachdenklich stimmender Song.
Auch der Chor zeigte sich vom Publikum begeistert: „Toll, was sie uns bieten, wenn sie so begeistert sind, macht es uns doppelt so viel Spaß“ – das wurde ungekürzt vom Publikum zurückgegeben.

Sabine Weidner 22.4.2008