Meistergitarre von innen
Schon ist wieder ein Jahr vorbei und schon rückt der 5. April in greifbare Nähe, dann ist wieder Gitarrenzauber in Groß-Rohrheim.
Schon zu Beginn des Jahres 2008 habe ich hier den Gitarrenbauer Andreas Cuntz vorgestellt, heute könnt ihr einmal aus einer anderen Perspektive etwas über die Cuntzschen Meistergitarren, die von Martin Harley oder Petteri Sariola gespielt uns alle begeistern, erfahren.
Tessa hat ein Praktikum bei Andreas in der Crumstadter Werkstatt gemacht, was sie so erlebte lest ihr hier: Gitarre spielen ist eine Sache, zu wissen, wie das Instrument aufgebaut ist eine andere: Interesse am Gitarrenbau zeigte Tessa Weidner.
Die Realschülerin opferte einen Teil ihrer Weihnachtsferien für ein freiwilliges Praktikum beim Groß-Rohrheimer Gitarrenbauer Andreas Cuntz. Stellt man sich in Crumstadt, bei dessen Wohnhaus eine große Fertigungshalle vor ist man auf dem buchstäblichen Holzweg: auf kaum mehr als 20 Quadratmetern drängen sich Werkbänke, entfeuchtete Bereiche, Skizzen und eine Menge Werkzeuge. Daneben liegen Holzstreifen in Wasser, sind exotisch aussehende Gebilde aus Hölzern, Rahmen und Schraubzwingen zu finden – kaum zu glauben, dass hier Saiteninstrumente erster Güte entstehen. „Im Moment arbeite ich an einer neuen Gitarre“, verrät Cuntz und dabei kann er die Hilfe der Praktikantin gut brauchen.
Schleifen, schleifen, schleifen heißt es für die 14 Jahre alte Tessa in den ersten beiden Tagen, denn jede Unebenheit verändert später den Schallbruch und damit den Klang der Töne. Mit Schleifpapier und jeder Menge Fingerspitzengefühl geht die Groß-Rohrheimerin ans Werk und erntet Lob vom Meister. Der lässt sie dann recht schnell schon an das heiße Eisen und die Holzstreifen in Form bringen. „Da muss man höllisch aufpassen, dass man sich die Finger nicht verbrennt“, sagt die Schülerin beim Drücken und Ziehen des Holzes am 200 Grad heißen Eisenkonus. Sie schafft es ohne Brandblase und mit ganz wenig Bruch, denn das Holz wird schnell spröde. „So viele Bögen habe ich noch nie in so kurzer Zeit gebogen“, freut sich Cuntz und beginnt gemeinsam mit Tessa einen Korpus zusammen zu leimen. „Leim ist auf Wasserbasis, Kleber haben Lösungsmittel“, ganz nebenbei erfolgt die Erklärung. Cuntz ist der einzige Gitarrenbauer, der den Boden und die Decke des Instrumentenkörpers in einem Arbeitsgang einklebt.
Die Bögen, die die Praktikantin gefertigt hat sind jetzt innen als Verstärkung der Korpuswand angebracht und bieten so die Klebe- und Auflagefläche. Ist der Leim ausgehärtet wird der Gitarrenkörper von außen geschliffen, damit der Lack anschließend eine ebene Fläche überzieht. Leisten und Balken, die Tessa gehobelt hat kommen zum Einsatz und auch der Sattel, über den später einmal die Saiten gespannt werden, liegt zwischen den zahlreichen Einzelbauteilen. Bis zum Einbau des Gitarrenhalses kam es während des Praktikums leider nicht mehr, aber ein toller Eindruck vom Handwerk, dem Ablauf in der Werkstatt, in der auch Reparaturen angeliefert und Verkaufsgespräche geführt werden, bleibt.
Der Umgang mit dem Naturmaterial von Kiefernholz bis Palisander, die Einblicke ins Innenleben der Gitarre und etliche Fragen an den Gitarre spielenden Instrumentenbauer machen auch die kleineren Blessuren an den Fingerkuppen wett. Die haben beim Schleifen erst wunde Stellen und danach Hornhaut bekommen – es steckt eben eine Menge Handarbeit in den Meistergitarren.
Das Mysterium der Harmonie zwischen Schallloch, Deckenbalken und Leisten bleibt ein Geheimnis, denn das macht die Einzigartigkeit der händisch gefertigten Cuntz-Gitarren aus. Perlmuttinlays und verschiedenfarbige Holzbänder verleihen dem Instrument am Ende Persönlichkeit. Für die Schülerin war es ein interessanter Einblick ins Gitarrenbauhandwerk:
„Es hat Spaß gemacht“, resümiert Tessa Weidner. Ob sie einmal die Ausbildung zum Instrumentenbauer machen wird überlegt sie noch. Sie wird erst einmal die Schule beenden und noch weitere Praktika in unterschiedlichen Bereichen machen, bevor die Entscheidung in ungefähr zwei Jahren zu treffen ist.







