Jakobsweg
Gerhard Karb mag es schon immer beeindruckend anders als andere Menschen, total begeistert war ich schon als er mir vor wenigen Jahren über seine abenteuerliche Radtour erzählte. Über Pässe zu fahren – per Rad – die schon einem Auto Schwierigkeiten zu machen scheinen, das ist bewundernswert. Seine neueste Herausforderung an den Menschen Gerhard Karb auf dem Jakobsweg könnt ihr hier verfolgen:
Zurück im Ried
„Meine Schuhe sind in Santiago de Compostela geblieben“, erzählt ein strahlender Gerhard Karb, er ist nach 75 Tagen und 2300 Kilometern Fußmarsch zurück im Ried. Er hat den Jakobsweg erwandert. Eine Menge Erfahrungen gemacht, Erstaunliches erlebt und jede Menge Hilfsbereitschaft erfahren. „Es gibt gar nichts Negatives“, sprudelt es aus dem 59 Jahre alten Wattenheimer heraus. Nicht einmal knöcheltiefer Schlamm, Regen, Sturm oder auch Schnee können an dieser positiven Sicht etwas rütteln. Den Schnee erlebte Karb direkt am Anfang seines Abenteuers, das schon zahllose andere auch gemacht haben – für jeden Einzelnen ist es seine ganz persönliche Erfahrung. „Da gehst du jeden Tag deines Weges, siehst all die anderen, zumindest auf dem letzten Wegstück, und bist doch für dich allein“ – Ruhe, Stille, Zeit zum Nachdenken, Hab und Gut, Stellung im Beruf und all das kann man hinter sich lassen – es zählt nicht – man ist nur Mensch.
Zu Anfang ist das nächste Quartier der einzige Gedanke
Die Gedanken kreisen zu Beginn ausschließlich darum das nächste Quartier zu erreichen. Eine gesicherte Nacht im Trockenen. „Da gibt es die Gîtes, das sind Einfachübernachtungsmöglichkeiten“, naja ein Bett und eine Dusche das reicht. „In der Dusche einfach alle Kleider fallen lassen und im Duschwasser mitwaschen“, diese einfache Art der Kleiderwäsche lernt man dort mal nebenbei. Das spart schon wieder Ballast, den muss man nämlich während der ganzen Reise selbst tragen, im Rucksack. „Bei 13 Kilogramm auf dem Rücken schaut man, dass es nicht unnötig noch mehr wird“, sagt Karb und mit dem Duschgel hat die Kleidung auch nicht gelitten – Hauptsache frisch. Ein Paket mit weiteren Karten hatte er zu einem Campingplatz vorausgeschickt – es kam dort allerdings nie an. Führer in französischer Sprache halfen dann weiter – übrigens spricht Karb kein Französisch: „Die Sprache ist kein Hindernis“, erklärt er, bis zu 27 Nationen seien unterwegs, mit ein wenig Englisch ginge es immer weiter. Und mit Händen und Füßen auch, oft reichten Gesten und ein Glas Wasser wurde gereicht oder der Wanderer am Abend zu den Einkäufen ins Auto gepackt und zur nächsten Herberge gefahren. Die unkomplizierte Hilfe hat Karb beeindruckt, auch, dass man zur Familie an den Tisch gesetzt wird, gemeinsam isst und trinkt. Dabei irgendwie eine Unterhaltung klappt und sogar einfachere Wege gezeigt werden als die die im Führer beschrieben sind, das waren neue und tolle Erfahrungen, die Spuren hinterlassen: „Es gibt nichts Negatives“, in allem etwas Positives finden, mit den Umständen leben, nicht dagegen, das ist ein Fazit aus der Wandertour.
Der Auslöser war ein Unfall
Was treibt einen Menschen dazu sich diesen Strapazen auszusetzen? Ganz persönlich bei Gerhard Karb war ein Unfall der Auslöser, zwei wieder verheilte Brüche und die Aussage der Ärzte er müsse mit den Schmerzen, die blieben, leben: „Das konnte ich nicht akzeptieren“, erinnert sich der Vorruheständler. Eisernes Training, auch Muskelaufbautraining, schlossen sich an. Der Weg zur Arbeit im Kraftwerk wurde zum Ausdauertrainingspfad: „Das zügige, gleichmäßige Laufen muss man lernen“. Die Kraft dosieren für tägliche 13 bis 40 Kilometer Fußmarsch. Von Wattenheim aus bis zum Kraftwerk ein Katzensprung, könnte man denken, nicht jedoch, wenn man wie Karb den Rückweg am Rhein entlang bis nach Worms und Wehrzollhaus wählt und dann erst Richtung Heimat läuft – und das jeden Tag, bei jedem Wetter. Die Unterkünfte waren sehr unterschiedlich, von der Pritsche in der Herberge mit 20 weiteren Pilgern zusammen, bis zum Zimmer in der Abtei. Je näher Karb der Heiligen Stätte in Santiago de Compostela kam, desto mehr Pilger aus aller Herren Länder kreuzten seinen Weg: „Einige davon habe ich schon vorher gesehen“, war er begeistert von einer älteren Dame, die das gleiche Pensum absolvierte wie er. Allein und ein paar Stunden später kam auch sie am Ziel an.
Die Familie ist froh ihn wieder zu haben
Die Familie hat ihn unterstützt, wie auch schon bei seinen außergewöhnlichen Radtouren. Jetzt sind jedoch alle froh ihn wieder heil zu Hause zu haben – zu erzählen gibt es viel. „Ich habe es geschafft, meine Knochen sind heil, die Schmerzen weg und ich habe 2300 Kilometer in 75 Tagen erlaufen“, stolz zeigt er seinen Pilgerpaß. Ohne große Erwartungen war er auf dem Mont-Saint-Odile in den Vogesen am 20. April, sonntags, im Schnee losgelaufen, angekommen ist er mit viel innerer Ruhe und Ausgeglichenheit und der Zufriedenheit es geschafft zu haben. Wie geht es weiter? „Es gibt noch viele schöne Wanderwege“, stellt der rüstige Karb locker in den Raum.







