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Wiedervereint

 

Es war schon ergreifend die beiden älteren, super rüstigen Damen kennen zu lernen: Luisa, immer bemüht in ihrer Aufregung nicht nur noch spanisch zu reden, und die zurückhaltende Francisca, deren Freude über das Wiedersehen in vielen Gesten und der Mimik abzulesen war. Ihre Geschichte, die über ein Jahr brauchte um zum Wiedersehen zu führen könnt ihr hier lesen.

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 65 Jahre sind sie alt, 30 davon haben sie sich nicht gesehen

Die zweieiigen Zwillinge Luisa und Francisca Condori Taco sind jetzt in Groß-Rohrheim wieder vereint. Nach einer Odyssee zwischen Ämtern und Behörden, Genehmigungen, Ablehnungen und Anfragen beim Fernsehen für eine Zusammenführung kam es jetzt endlich zum erhofften Visum für die Peruanerin. Zum 65. Geburtstag am 10. Oktober 2007 hätte es schon klappen sollen, jedoch spielten die Behörden nicht mit, vor einer Woche war es dann soweit. Sich in den Armen liegen zu können und dabei zu wissen, dass es nur auf Zeit ist, ist genauso herrlich, wie bitter. Die Zerrissenheit der beiden Seniorinnen ist zu spüren, auch gut eine Woche nachdem Francisca in Deutschland angekommen ist. Die Trennung am Mittwoch, 30. April, wird sicher wieder tränenreich, wie auch die Begrüßung, denn schon jetzt wissen die Schwestern, dass ein weiteres Wiedersehen schwierig werden wird. Beide Frauen haben wenig Geld: In Peru lebt Francisca in ärmlichen Verhältnissen, Luisa in Groß-Rohrheim ist mittlerweile Rentnerin. Ein Umstand, der beinahe dazu geführt hätte, dass auch das derzeitige Treffen nicht hätte stattfinden können. In Südamerika hatte man Bedenken, dass Francisca nicht mehr zurückkehren würde, in Deutschland indes gab es jede Menge bürokratische Hürden für die Einreise zu überwinden. Das ging von einer Haftpflicht- über die temporäre Krankenversicherung bis hin zur Bezahlung des Flugtickets.

 Alles ist vorbereitet - doch dann spielen die Behörden nicht mit

„Schon im Oktober 2007 war das alles erledigt", erzählt die Groß-Rohrheimerin Gertrud Neeb. Wie sie in die ganze Geschichte passt erklärt sich so: Die Schwägerin von Gertrud Neeb lebt in Peru in der NähWiedervereint_1.JPGe von Arequipa, Luisa Condori Taco arbeitete in ihrem Haus als Haushälterin. Matthias, der Neffe der Groß-Rohrheimer Familie Neeb ist genau ein Jahr jünger als Giovanna, Luisas Tochter. Beide sind von Kindesbeinen an befreundet. Und damit beginnt die zweite bewegende Geschichte der sympathischen Peruanerin, die sich in ihrem Leben schon vielen Widrigkeiten stellen musste. Mit unterdrückten Tränen erzählt, erlebt man als Zuhörer eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle: Gemeinsam mit dem kleinen Matthias (damals 8) schickte Luisa ihre Tochter im Alter von neun Jahren mit nach Deutschland. Sie sollte ein besseres Leben haben als ihre Mutter. Matthias wurde in Groß-Rohrheim zur Verwandtschaft gegeben, Luisa erzählte man, dass Giovanna in seiner Nähe ebenfalls in der kleinen Riedgemeinde untergebracht werden würde. Doch sie kam in eine Pflegefamilie nach Lorsch und konnte ihren Freund Matthias nur sehr selten sehen. Heute, als Erwachsene, haben sie regelmäßig Kontakt. Drei Jahre lang hörte Luisa kaum etwas von ihrem Kind. Getrieben von der Sehnsucht hielt sie ihre Ersparnisse zusammen und flog nach Deutschland, womit die Trennung von der peruanischen Familie und der geliebten Schwester ihren Lauf nahm. Hier angekommen suchte sie den Kontakt zu ihrer Tochter, damals 12 Jahre alt, und deren Pflegeeltern, die wollten das Kind aber nicht mehr hergeben. „Ich hatte schon einmal den Fehler gemacht mein Kind alleine zu lassen", sagt Luisa kopfschüttelnd, sie wollte das nicht wieder tun. Danach arbeitete sie sieben Jahre lang für die Pflegefamilie auf dem Hühnerhof und im Haushalt zu einem Hungerlohn. Tochter Giovanna machte eine Ausbildung zur Feinmechanikerin und arbeitet heute noch. Mittlerweile 42 Jahre alt, hat sie geheiratet und ist Mutter von zwei Kindern. Körperlich und seelisch am Ende kam Luisa 1986 nach der Zeit in Lorsch über die Familienverbindungen der Familen Neeb und Kirsch in die Gärtnerei von Eleonore „Ello" Kirsch nach Groß-Rohrheim. Eine ruhigere Phase von 22 Jahren begann, in der sie auch bei der Firma Otto Cosmetic angestellt war, jedoch nach wie vor ohne ihre Schwester sehen zu können. „Es gab Telefonate", erinnert sie sich, aber die Sehnsucht war groß. Erst im Mai 2007, als der erste Versuch scheiterte die Zwillingsschwester nach Deutschland zu holen, wurde es wieder aufregend im Leben von Luisa. Gertrud Neeb schrieb ans Konsulat und das Fernsehen um Hilfe, die sie jedoch nicht erhielt. In Peru inzwischen hatte es Francisca auch nicht leicht, im Haushalt eines Bischofs verdiente sie 37 Jahre lang ihren Unterhalt, jedoch ohne Sozialabgaben und Lohnnachweis. Derzeit arbeitet sie in der Altenpflege, weshalb sie nur zwei Monate hier bleiben darf. Eine Freundin hatte sich vor Ort in Peru an die Behörden gewandt und damit wohl den Visumantrag aus einem Stapel anderer herausfischen lassen - es hat geklappt: Francisca ist da.

 

Die Großfamilie wartet in Peru auf Francisca

„Sie möchte auf jeden Fall wieder zurück, sie fühlt sich Zuhause wohl", erklärt Luisa und erzählt von der Großfamilie ihres Bruders im kleinen Dorf im Distrito Huanca, Provencia Gailloma, in der Nähe von Arequipa: Die acht Kinder lieben ihre Tante und erwarten sie sehnsüchtig zurück. Bis zur Rückreise verging die Zeit wie im Fluge, mit Einkaufen und Sachen ansehen und jeder Menge Gespräche über die Kindheit und immerhin dreißig Jahre in denen vieles passierte und die Schwestern sich nicht sehen konnten. „Ich spare weiter und versuche mit meiner Tochter noch einmal nach Peru fliegen zu können", sagt Luisa Condori Taco voller Elan beim Abschied - sie möchte den Rest der Familie gern noch einmal sehen und auch der Tochter ihre Heimat zeigen.