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Eisige Zeiten

Dass es auch hier einmal Eiszeit war kann man sich ja noch vorstellen, weiß man aber auch, dass ein Groß-Rohrheimer mittlerweile als angesehener Spezialist für Funde in diesem Bereich gilt? Knochen aus der Riedgegend Ausstellungen bestücken und Wissenschaftler verzücken? Was sich in einem Rohrheimer Keller so alles verbirgt und wie es dazu kam schildert der folgende Bericht. Viel Spaß beim Eintauchen in die eisige Groß-Rohrheimer Umwelt vor ungefähr 150.000 Jahren!

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Minus 30 Grad. Mammutsteppe. Zottelige Wollhaarmammuts und -nashörner, Säbelzahntiger, Höhlenbären, Riesenhirsche und Hyänen ziehen gemächlich ihre Runden durchs südhessische Ried - ein nicht vorstellbares Szenario, das sich jedoch genauso hier abgespielt haben muss. Jahrtausende fühlten sich Urzeittiere hier wohl, Frank Menger, passionierter Sammler, deckt nach und nach die Vielfalt auf.

Er selbst sucht seit seinem sechsten Lebensjahr im Aushub der Kiesgruben und wird fündig, insgesamt 18000 Exponate hat er  in seinem Besitz und damit eine der größten Privatsammlungen in Deutschland. „Die Erlaubnis nach fossilen Überresten zu suchen habe ich", erklärt der KFZ-Sachverständige, der dafür einen Nachweis seiner Fachkenntnis leisten musste. „Das habe ich mir angelesen", sagte Menger im Gespräch, wobei er auch lernte die Exponate selbst zeitlich richtig einzuordnen.

 Dabei zählt die Tiefe in der gefunden wurde genauso wie die Beschaffenheit des Fundstücks und was in der Umgebung des Fundortes noch, etwa an versteinertem Holz, gefunden wird. Die Faszination für den Lebensraum, der hier einmal ideal für die vorzeitlichen Lebewesen gewesen sein muss, hat ihn gepackt, er sucht und findet immer weiter. Allein damit ist es jedoch nicht getan, klar, dass die Funde fachmännisch gesäubert und präpariert, danach nummeriert und katalogisiert werden müssen, damit sie auch wirklich der Nachwelt erhalten bleiben. Das ist auch das Hauptanliegen von Menger, der für sein „Privatmuseum" gut 100 Quadratmeter Kellerraum belegt. Zwischen Schlafsäcken und Kinderautositzen stapeln sich dort noch Kisten mit kleineren Funden, die er gern einmal größer präsentieren würde, doch dafür fehlt der Raum.

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Die wichtigsten und spektakulärsten Stücke wie den größten erhaltenen Auerochsenschädel in ganz Mitteleuropa oder das zu 90 Prozent erhalten im Ried gefundene gewaltige Schaufelgeweih eines Breitstirnelchs, sowie Mammutschenkelknochen, ein kompletter Mammutschädel und jede Menge Backenzähne der eiszeitlichen Tiere sind im Eingangsbereich des Kellers teilweise in Vitrinen gelagert. Manche davon haben noch einen Belag aus Kies und Sand, den beiden Baustoffen aus denen sie auftauchten.

„Mit der Neuerung der Fördertechniken an Kiesgruben gehen leider viele Stücke verloren", weiß der Vater von zwei Töchtern, denn im geteilten Fördermaterial, das in verwertbaren Kies und Sand, aber auch in Lehm getrennt wird, darf er selbst suchen. „Die größeren Stücke werden von den Greifbaggern zutage gefördert", da ist es dann geschickt, dass er benachrichtigt wird und das Fundstück begutachten kann. Für die wissenschaftliche Veröffentlichung der bedeutenden Funde benachrichtigt er dann Spezialisten und fungiert als Leihgeber und Koautor.

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 Im vergangenen Jahr hatte er sogar Besuch vom HR-Fernsehen mit dem Bilderbogen Hessen, drei Ausstellungen in Herne, Braunschweig und Erbach hat er mit bestückt. Manchmal kostet ihn ein Fundstück auch etwas, das nimmt er aber für seine Leidenschaft in Kauf. Mammutstoßzähne und Funde von Flusspferden, Wasserbüffeln und Waldelefanten die in der Warmzeit (vor cirka 150000 Jahren) hier im und am Rhein gelebt haben müssen, wechseln sich mit Versteinerungen von Urtieren ab, die der Sammler gekauft oder auch getauscht hat.

 Ein reger Austausch zwischen dem Hobbyspezialisten und Wissenschaftlern aus Deutschland und dem Ausland besteht bereits, einige Ausstellungen wurden schon mit Fundstücken des Groß-Rohrheimers bereichert. „Für mich ist das wichtiges Kulturgut, dass es wert ist erhalten zu werden. Die Sammlung trägt dazu bei das Bild der damaligen Tierwelt zu komplettieren", stellt Menger klar. Seine zahlreichen Funde aus der Eiszeit stehen für wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung, aber auch mit der Lindenhofschule seines Heimatortes hat er schon für ein Projekt zusammen gearbeitet und Kindergarten- und Naturschutzgruppen haben ihn besucht.

Vom Virus „Eiszeit" infiziert wird er seinem zeitaufwändigen Hobby weiter nachgehen, die Familie spielt noch mit. Ein Traum steht dabei noch an: „Einmal die gesamten Funde in einem eigenen Museum präsentieren können und ein Skelett zusammen zu bauen".

Info bei Frank Menger, Hintergasse 23, 68647 GroßRohrheim, Telefon: 06245/908908